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Wolfgang Wiese (xwolf)
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Jugendschutz im Internet - einfach erklärt II

Wenn das mit dem Jugendschutz-Dilemma so klar und einfach ist und im Internet so nicht funktionieren kann, wieso bestehen dann gewisse Interessengruppen so penetrant auf Jugendschutz im Allgemeinen und Filtern im Besonderen? Also, woher das Beharren und die Lernresistenz? 20 Jahre sind ja auch ein Achievement, das man erst mal unlocken muß.

Da ist einmal unser Grundgesetz, Artikel 6:

https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_6_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland

Artikel 6, Absatz 1 und 2, und die daraus abgeleiteten Bundes- und Landesgesetze schreiben den besonderen Schutz von Ehe und Familie vor und sind die Grundlage der bestehenden Bemühungen und rechtlichen Regelungen zum traditionellen Jugendschutz.

Im Kontext unserer Diskussion hat das vor allen Dingen zwei Auswirkungen: Absatz 1 bewirkt, daß sich der Staat im Jugendschutz engagieren muß - zwingend! - und Absatz 2 bewirkt das Elternprivileg, das andere Erziehungsberechtigte (etwa Lehrer an einer Schule) nicht haben und die daher weniger Entscheidungsspielraum und eventuell mehr Haftungsrisiken haben.

Eine große und finanzstarke Gruppe von Personen, die ein starkes Interesse an einer etablierten und rechtlich unstrittigen Jugendschutzregelung hat, sind die Hersteller von Pornographie. Da ist Geld zu verdienen, man hat Anwälte und man hat gar keine Probleme, Zugriffskontrollsysteme und Altersverifikation oder gar Identitätsfeststellungen zu implementieren. Insbesondere nicht, wenn dies zugleich Zahlungsausfälle vermeidet oder Kreditkarten-Risiken vermindert, mit denen die Branche gelegentlich Probleme hat.

Diese Gruppe hat wenig Interesse daran, daß ein Jugendschutzsystem real schützt. Es ist vollkommen ausreichend, daß es eine Regelung gibt, deren Wirksamkeit in einer Art rechtlichen Fiktion angenommen und anerkannt wird, weil man dann die rechtlich vorgeschriebenen Prozesse implementiert und dann rechtssicher verkaufen kann - und um die Rechtssicherheit geht es.

Es sind in erster Linie diese Gruppen, die den politischen Prozeß "Jugendschutz im Internet" vorantreiben und auch technische Lösungen mit finanzieren.

Deren Inhalte sind natürlich alle mit Labels versehen, in jedem denkbaren System, und sie sind alle "ab 18". Ein Internet, in dem nicht-pornographische Inhalte auch "ab 18" oder "ohne Label" sind, ist für diese Partei jedoch nicht von Interesse, weil damit die Unterscheidung "kommerzieller Porn" und "anderes Zeugs" nicht sauber machbar ist und es genau diese Unterscheidung ist, um die es geht.

Wir hatten vor zehn Jahren eine Label-Initiative, bei der Anbieter mit nicht primär Gewinnerzielungsabsicht (damals halt Blogger) ihr Zeugs anders labeln sollten ("Blog" eben). Damit wäre die Unterscheidung "kommerzieller Porn", "kommerzielle Inhalte" und "mirdochegal, aber nicht ab 18" möglich gewesen, aber aus einer Reihe von Gründen war das genau keine akzeptable Lösung.

Die Hauptaufgabe und das Haupt-Problem besteht halt darin, die Masse der Inhalte und ihrer Anbieter, die nicht "kommerzieller Porn" sind, dazu zu bewegen, ihre Inhalte auszuzeichnen, damit die an einem Filter für "kommerzieller Porn" vorbei kommen.

Wie gesagt, die Aufgabe ist es, rechtssicheren Jugendschutz zu haben, um Porn verkaufen zu können, d.h. alle haben Arbeit und Risiko, damit die kommerziellen Porn-Händler Rechtssicherheit haben. Deren Inhalte sitzen genau am oberen Ende der Skala, und ungelabelte, nicht pornographische Inhalte eben genau auch. Die Aufgabe ist also, alle Inhalte-Anbieter, deren Inhalte nicht kommerzieller Porn sind, dazu zu bewegen, die Arbeit auf sich zu nehmen und das Risiko zu tragen, ihre Inhalte runter zu stufen, damit die durch einen Pornofilter laufen.

Eine andere Gruppe, die Interesse an Jugendschutz hat, sind Erziehungsberechtigte, die kein Elternprivileg genießen. Also insbesondere Lehrer. Wenn die die ihnen anvertrauten Minderjährigen ohne einen zertifizierten Jugendschutzmechanismus ins Internet lassen, dann können sie anders als Eltern nicht sagen "Das ist uns in unserer Familie egal, wir handhaben das anders".

Wenn sich ein Elternteil oder ein Kind später für traumatisiert und geschädigt erklärt, dann haben sie ohne einen solchen Mechanismus ein großes Problem.

Auch hier geht es also nicht um korrekte Funktion, sondern rechtliche Fiktion, mit dem Ziel einen Haftungsausschluß zu erzeugen, der die Funktion des Elternprivilegs bei Nicht-Eltern realisiert.

In beiden Fällen ist den Interessen der betroffenen Gruppen mit "Medienkompetenzerziehung" statt "Filter-Fiktion" nicht gedient, weil die von der Regelung angestrebten Ziele "Rechtssicherer Verkauf von Pornographie" oder "Haftungsausschluß bei Internet-Zugriff von der Schule aus" durch "Medienkompetenzerziehung" nicht erreicht werden.

Stattdessen beharrt man axiomatisch darauf, daß Filter funktionieren, und versucht diese dann vorzuschreiben, denn diese beiden Schritte in dieser Reihenfolge sind die Vorraussetzung für die Erreichung der jeweiligen Ziele.

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Jugendschutz im Internet - einfach erklärt

Jugendschutz im Internet wird von unserer Politik stur als Verlängerung des traditionellen Jugendschutzes mit anderem Transportprotokoll angesehen.

Im traditionellen Jugendschutz hat man eine Alterskennzeichnung aller Medien und eine Verpflichtung aller Medien-Vermittler ("Mediatoren"), Inhalte an Endverbraucher nur auszuliefern, wenn das Alter des Endverbrauchers individuell bestimmbar ist und zum Medium paßt.

Das Ganze funktioniert einigermaßen, oder auch nicht, und es macht eine Reihe von Annahmen, die alle für das Internet im Wesentlichen nicht zutreffen.

Zum einen geht das Ganze davon aus, daß Geld und Interesse besteht, Inhalte auszuzeichnen und dabei eine möglichst niedrige Alterseinschätzung für das Medium zu bekommen, um ein möglichst weites Publikum zu erreichen. Das ist eine korrekte Annahme für Filme, kommerzielle Bücher oder kommerzielle Videospiele. Das sind alles Produktionen mit Budget und Gewinnerzielungsabsicht. Das heißt, es ist für den Produzenten des Mediums kein Problem, einer Jugendschutzorganisation für einige hundert Euro im Jahr beizutreten und einen Jugendschutzbeauftragten zu benennen, der dann noch für einige tausend Euro im Jahr Weiterbildungen besucht. Diese Organisationen haben auch in der Regel die Absicht, Reichweite zu erzielen und sind daher bestrebt, ihr Jugendschutzlabel möglichst zu minimieren ("Frei ab 0", "Frei ab 6", "Frei ab 12", "Frei ab 16", "Frei ab 18" - jede Stufe kostet Rezipienten, also Einnahmen).

Nun haben wir im Internet einen Haufen Medien, deren Autoren nicht primär kommerziell motiviert sind und die weniger daran interessiert sind, möglichst viele Menschen zu erreichen als möglichst engagierte Menschen für ihr spezielles Interessengebiet. Das heißt, die Arbeit bei der Erstellung erfolgt nicht primär aus kommerziellen Motiven, die Arbeit erfolgt ohne Budget und nicht hauptamtlich und nicht mit der Absicht, die absolute Reichweite zu maximieren.

Das Internet ist, wenn das Medienschaffen nicht kommerziell motiviert ist, nicht zwingend ein Massen-Medium. Die Mechanismen zur Steuerung von Massenmedien greifen nicht.

Damit fehlt auch die Motivation, das Jugendschutzlabel zu minimieren. Einem Medienautor im Internet kann es unter Umständen (und gar nicht mal selten) ziemlich egal sein, ob sein Zeugs ohne Rating und Label per Default auf "ab 18" steht und für Kinder und Jugendliche nicht erreichbar ist. "Ich muß nicht die Welt retten und ich erreiche meine Leser auch, wenn sie erwachsen sind, mir egal, und billiger ist es auch" ist keine seltene Einstellung und vollkommen legitim und - wichtig - rentabel.

Darum klebt auf Zeugs im Internet außerhalb von Disney-Springer-RTL in der Regel kein Alterslabel und wird es auch nie tun. Denn klebe ich ein Label auf meinen Content und ist das Label zu niedrig (Ich behaupte "ab 6", wenn es nach Ansicht einer konserativ-strikten Organisation erst "ab 12" ist), dann habe ich Ärger an der Backe. Der Autor hat also kein Problem damit, seine Reichweite einzuschränken, weil er nicht primär mit Gewinnerzielungsabsicht arbeitet und wenn er labelt, dann geht er persönlich mehr Risiken ein.

Das ist eine unglaublich schlechte Ausgangsposition.

Jetzt kann man mal zum Spaß in die IMDB gehen und einen Haufen Filme durchsehen. Dort findet man dann zum Beispiel

http://www.imdb.com/title/tt0076759/parentalguide?ref_=tt_stry_pg#certification

Star Wars Parental Rating - Werte zwischen 10 und 14, mit Sondereditionen ab 6.

Mit anderen Worten, selbst bei an sich unstrittigen Werken ist das eine ganz schöne Spannweite. Wenn man dann etwas mit Nippeln (USA), Messern (UK) oder Schußwaffen (Deutschland) raussucht, wird man sehen, daß die Schere noch sehr viel weiter auseinander gehen kann. Und das sind nur westliche Zivilisationen, die vermeintlich kulturell dicht beeinander liegen.

http://www.imdb.com/title/tt0043949/parentalguide?ref_=tt_stry_pg
Quo Vadis (1951)
Wertungen zwischen Niederlande:6 und Schweden:15

Aber das ist ein Nebenschauplatz, zeigt aber, daß Jugendschutz auch immer einen kulturellen und kulturgeschichtlichen Aspekt hat. Ich habe aber mit dem Internet ein Medium mit weltweiter Reichweite und muß meine Inhalte unter Umständen nicht nur für den deutschen Markt bewerten, sondern habe auch Leser aus Südkorea, Indien, Saudi-Arabien, Spanien, Polen und Schweden.

Korrekte Selbsteinstufung: Das ist eine unmögliche Aufgabe. "ab 18" ist eine sichere Bank. "ab 18" ist auch der Default, ohne Label.

Die Aufgabe, und das ist das perfide, ist also eigentlich eine andere.

Wenn ich keine Inhalte labele und einen Jugendschutzfilter einschalte, dann habe ich sofort Jugendschutz: Nicht bewertete Inhalte sind "ab 18" und der Filter wird sie sperren. Das Kind oder der Jugendliche bekommt überhaupt gar keine Inhalte zu sehen, weil alles gesperrt ist und folglich besteht auch keine Gefährdung.

Eine Motivation, Inhalte niedriger zu labeln habe ich abseits des kommerziellen Disney-Springer-RTL-Internet aber nicht, weil ich dadurch nur mehr Kosten, mehr Arbeit und mehr Risiken habe.

Darum wird das auch nie abheben. Das Internet ist Abseits des Kommerzes kein Massenmedium im klassischen Sinne und Medienregulierung für Massenmedien im klassischen Sinne greift nicht, denn die Basismotivation dafür existiert nicht.

Das sind alles keine neuen Fragen und Überlegungen. Wir haben sie in einer Arbeitsgruppe mit Informatikern, Soziologen und Juristen für das BMWi einmal in einem Gutachten durchdekliniert. Das war vor 20 Jahren, 1996.

Gelernt hat bis heute keiner was. Eine politische Weiterentwicklung hat nicht stattgefunden.

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Wenn Du ein totes Pferd reitest, steige ab, so sagt ein altes Indianersprichwort. Dieser Gaul hier ist schon seit 20 Jahren tot, aber...

Seit Anbeginn des Internet hat Filtern noch nie funktioniert. Das Problem sind nicht Smartphones, sondern die Unmöglichkeit sinnvolle, skalierbare Filter zu bauen. Aber unsere Politik sieht das wie Gewalt, XML und Leistungsschutzgeld: Wenn es nicht funktioniert, brauchen wir mehr davon.

"Die länderübergreifende Institution jugendschutz.net hat sich Gedanken zu "Perspektiven des technischen Jugendschutzes" gemacht. Ein "zukunftsfähiges Konzept" sei es, Blockadetechniken tiefer in Nutzersysteme zu integrieren."

Zukunftsfähige Konzepte sind anders definiert.

Disclaimer: Der Autor ist Vater eines sechsjährigen Sohnes und hat keine Filter installiert. Der Sohn verwendet MacOS und Android. 

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Mein Vortrag auf der Marina Kassel: SEO Einführung

Komisch.. ich hätte schwören können, ich wäre Mitglied einer deutschsprachigen WordPress-Community hier in G+ gewesen...


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From the Popcorn-Futures-are-Rising-Dept: Was bisher geschah -

1. Springer kauft ein Leistungsschutzgeldgesetz
2. Die VG Media soll es eintreiben
3. In einer Art Brexit-Erkenntnis erkennt die VG Media, daß nicht bei Google gelistet werden eventuell einem Austritt aus dem Internet gleichkommt, Google jedoch keine Absicht hat, irgendwem irgendwas zu bezahlen und eher die betroffenen Qualitätsmedien auslisten würde als sonst was zu tun.
4. VG Media erlaubt Google, die betreffenden Medien weiter zu listen, unentgeldlich. Der Rest muß theoretisch zahlen.
5. Die Aufsichtsbehörde stellt eine Ungleichbehandlung von Lizenznehmern fest und klagt.

Was jetzt geschieht:

» Da Verwertungsgesellschaften den Nutzern gegenüber an das Gleichbehandlungsgebot gebunden sind, hatte die Staatsaufsicht das Vorgehen der VG Media geprüft. Denn Ausnahmen von diesem Gebot sind nur dann erlaubt, wenn ein sachlicher Grund vorliegt. In einem Bescheid vom 2. April 2015 hatte die Behörde schließlich die Gratislizenz für unzulässig erklärt. Der von der VG Media eingelegte Widerspruch gegen den Bescheid wurde nach Angaben des DPMA abgelehnt.

Würde die Entscheidung der Staatsaufsicht durch die Gerichte bestätigt, stünden die von der VG Media vertretenen Verlage vor der Wahl, die Erlaubnis für Google zu widerrufen oder die VG Media zu verlassen.«

Jetzt wird auch viel deutlicher, wieso die Qualitätsjournallie so viel wert darauf legt, Google als fiesen Monopolisten zu brandmarken, der Qualitätsmedien zwangslizensieren muß. Weil wenn das nicht gelingt bleibt von der Leistungsschutzgeld-Investition nicht mal ein Rauchwölkchen über.

Die Lage auf dem Popcornmarkt bleibt weiterhin angespannt, da durch die hohe Nachfrage Lieferengpässe entstehen. Kunden ohne langfristige Lieferverträge und Preisbindung werden Schwierigkeiten haben sich auf dem Spotmarkt einzudecken.

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Sie fürchtet die "Islamisierung", hat Sympathien für Pegida. Und sie beherbergt seit 15 Monaten syrische Flüchtlinge und hilft, wo sie kann. Ist Kerstin Mager-Baran aus Freital nun "Pack" oder "Gutmensch"? /ee

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Coole Visualisierung von etwas was vielen Schülern Probleme machte
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