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Reaktivität
Ich bin einer Messgröße auf der Spur, die ich entscheidend für die Kommunikation in Netzwerken halte, die Reaktivität. Die Definition – leider eine von mir zusammengestoppelte Hilfsdefinition in Ermangelung von belastbarem, sozialwissenschaftlichen Material – von Reaktivität wäre:

Zahl und Intensität der Reaktionen,
zu unterscheiden wären außerdem absolute Reaktivität und subjektiv empfundene.

Warum bin ich der Reaktivität auf der Spur? Die Geschwindigkeit und die Art und Weise, wie sich Informationen in Netzwerken verbreiten, beeinflusst auf viele unterschiedliche Arten das Netz und damit ungefähr alle ausser den Amish People.

Das vorletzte faszinierende Ereignis war die Verbreitung des Nachfolgers von Farmville auf Facebook, nämlich Cityville. Dessen Erfolgsgeschichte lässt jede noch so ansteckende Krankheit verblassen, Cityville hat in weniger als 40 Tagen unfassbare 100 Millionen aktive Nutzer erreicht:
http://mashable.com/2011/01/13/cityville-100-million-users/

Das halte ich für die größte und schnellste Verbreitung von irgendwas in der Geschichte der Menschheit, und: ja, ich habe einen ungesunden Hang zu Superlativen – lasse mich aber gern korrigieren, Vorschläge in die Kommentare.

Das jüngste Beispiel der hyperexponentiellen (ausgedachtes Wort) Verbreitung ist natürlich in diesem Moment vor der Nase des Lesers –
also habe ich versucht, die Gemeinsamkeiten von Cityville und G+ herauszufinden (außer, dass sie vollständig im System Internet stattfinden).

Der Schlüssel scheint mir ebenjene Reaktivität zu sein, die gefühlt auf G+ größer ist als auf irgendeinem Netzwerk, was ich bisher kennengelernt habe – und sich von der Intensitität und der Zahl her mit den ca. 25 Millionen Cityville-Benachrichtigungen vergleichen lässt, die man im Dezember bekam, wenn man wie ich 5000 Facebook-Friends hat.

Sicher spielt in die Reaktivität die kritische Masse hinein, der Netzwerkeffekt, das ganze Buch "The tipping point" des grandiosen Malcolm Gladwell dreht sich darum – allerdings hat Gladwell als Grundthema "Drei Regeln von Epidemien" aufgestellt: The Law of the Few, The Stickness Factor und The Power of Context.

Da kommt mir die Größe Reaktivität deutlich zu kurz – daher überlege ich hier öffentlich in einem sehr frühen Stadium und bitte um Ergänzungen und andere Perspektiven und natürlich um Kommentare wie "Hääää, steht doch alles in "On Reactiveness" von Bodewig und Steinhiebel, Marburg 2009".

Dankeschön.
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109 comments
iBad X
 
Interessante Studie, hast Du die selber initiert ?
 
Also ich finde das Wort Reaktivität eine sehr gute Größe zu Definition und Messung der Kommunikation in Netzwerken.
 
Erfasst denn Reaktivität auch die Qualität von Reaktionen oder soll das ein rein quantitatives Konzept sein?
 
Wichtig ist doch, wie man die Reaktivität misst. Zahl und Intensität ist mir ein bisschen zu wischi-waschi. Wissenschaftler aufgehorcht und bitte mit hoher Reaktivität ein paar Ansätze zur Quantifzierung eben jener einbringen.
 
Nun ist Cityville und derzeit auch G+ die Verbreitung von "Kinderkram". Ich denke dieser "Haufen Zunder" kann auch irgendwann für eine übergeordnete und politische Idee brennen. Das nährt die Vermutung das wir vielleicht vor der Radikalsten und weitreichendsten Veränderung der Menschheit stehen und 48 Stunden vorher noch nicht den geringsten Schimmer haben werden, dass es passiert.
 
Ich glaube nicht zu verachten ist auch der Begriff der Konzentration. Die Reaktivität in G+ etwa ist auch der Konzentration der fruchtbaren User zu verdanken (was wiederum das Ergebnis der zurückhaltenden Einladungspolitik von Google in den ersten Wochen ist).

Dieses Moment der Konzentration wird bei steigenden Nutzerzahlen erst verwässert und schließlich, bei sehr hohen Nutzerzahlen, übertroffen (durch schiere Masse).
 
BTW - hyperexponentiell ist ein durchaus gängiger mathematischer Begriff.
Alex F.
 
Reaktivität wäre zum Beispiel eine Antwort von dir auf meine E-Mail. Aber ich weiß selbst nicht mehr um was es ging. Internet und Gedächtnis, das kennt man ja.
 
Reaktivität ist in den Sozialwissenschaften tatsächlich schon besetzt - sie bezeichnet das (aus Forscher_innenperspektive unerwünschte) Anpassen der Handlungen der untersuchten Akteure aufgrund der Tatsache, dass sie untersucht werden und sich im Klaren darüber sind. Sie findet fast immer statt und ist so klein wie möglich zu halten. Die intuitive Diagnose der "Reaktivität" in Netzwerken hingegen meint etwas völlig Anderes, warum sollte der Begriff also nicht verwendet werden? Das lässt sich schließlich sicher auch kommunikations- oder netzwerktheoretisch angehen, droht dann aber schnell an Plausibilität zu verlieren...
 
Sollte man nicht, wie bei einer Epidemie auch die Auswirkung einer Nachricht in Betracht ziehen? So könnte man Informationen, die zu politischen Veränderungen führten, einen höheren Wert geben. 
 
@Holger Ehrlich Man könnte das im Duden ergänzen, passend zwischen "Hyperemesis" ( übermäßiges Erbrechen ) und "Hyperfunktion" ( Überfunktion eines Organs ).
 
"Zahl und Intensität der Reaktionen" - Ich denke, da fehlt noch die zeitliche Dimension.
Evtl. könnte die Zahl und Intensität der Reaktionen mit ihrer zeitlichen Nähe zum Auslöser gewichtet (oder anderweitig in Relation gesetzt) werden.
 
Vorsicht, nicht das Reaktivität plötzlich zu Reaktanz wird...
 
Ist der Mensch nicht nur da ganz Mensch, wo er spielt? (nach Schiller)
Ich könnte mir vorstellen das es wohl nur unter spielenden Menschen eine solche Verbreitung geben kann, keine Nachricht, kein App, kein irgendwas könnte soviele Leute bewegen sich so zu verhalten und ihre Impulse zu versenden. Wäre mal spannend weltweit auf einen Schlag JoJos zur Verfügung zu stellen, wie viele würden plötzlich JoJo spielen?
Daher glaube ich nicht das die spielerische Reaktivität auf eine politisch orientierte o.ä. übertragbar ist.
 
Also das von dir genannte Buch kenn ich nicht, aber wo du schon so nett Perspektiven fragst... Ich denke ich habe deinen Begriff "Reaktivität" so zu verstehen, das unterschiedliche Bewertungskriterien einfließen sollen, welche dann in einer relative Beziehung zueinander gebracht werden, um ... ? k.A. vielleicht um zu erkenne welcher Art und Weise von Kommentar-Antworten auf einen komplexen Text gesendet werden und welche Art und Weise der Kommentar-Antworten am häufigsten war? ... hmmm ... Das ist am Ende doch auch nur wieder eine schöne Formel deren Aussagekraft = +1 ist.

Ich denke um die Aussagekraft von +1 differenzieren zu können muss man erstmal einen eigenen +1 Bewertungskontext hinzufügen, und zusammen mit seiner Nachricht versenden, damit dann auch entsprechen +1 Bewertungen als Antwort auf den Bewertungskontext erfolgen können. Das würde dann in Summe für den Leser mehr "Sinn" machen als +1 Ohne Bewertungskontext.

Und auch von mir ein Danke für deinen Text, ist wie immer angenehm erfrischend zu lesen. Und regt zum Denken an, vorbildlich! :-)
 
Da hier so viel über politische und netzwerkkommunikative (ausgedachtes Wot) Aspekte gesprochen (ähm geschrieben) wird: Hier liegt doch ein qualitativer unterschied vor. Wenn man Farms oder Cities bastelt, dann ist das öffentlich akzeptiert und recht unverbindlich (geringe Schwelle für eine Reaktivität). Werden hingegen tatsächlich Stellungen zu Fakten/Themen/Meinungen bezogen, dann sieht das Ganze ja schon ganz anders aus. Unkritische (im Sinne der Akzeptanz in der Gesellschaft) Themen finden große Verbreitung - bspw. das Thema Anti-Atomkraft. Sich gegen Atomkraft zu äußern wird fast von niemanden mehr kritisiert, also kann ich hierzu auch immer toll posten und sharen und dann so Landesregierungen umwählen. Würde ich jetzt z.B. was posten, was anstößig sein könnte (hmm z.B. "G+ User haben neonazistische Tendenzen, weil ..."), dann wäre die Reaktivität doch gleich deutlich geringer. Man könnte dann sogar die Hypothese aufstellen, dass alles was sich hyperexponentiell verbreitet eher "Kinderkram" sein könnte. grübel
 
Naja, es gibt Verhältniszahlen Leser : aktive Teilnehmer - die Zahl ist mit dem Web2.0-Phänomen rasant gestiegen (und hat es eigentlich ausgemacht). Das wäre für mich eine geeignete Zahl. Reaktivität hat auch etwas mit der emotionalen Aufladung eines Themas zu tun.
 
Interessanter Ansatz - mich würde dabei auch eine Unterscheidung der Qualität der Inhalte interessieren (siehe oben: Qualität der Reaktionen). G+ und anderes ist ja nur das technische Vehikel. Für Journalisten, aber auch Unternehmen und Content-Konsumenten wäre es doch auch interessant mit welchem Vehikel was transportiert wird - Stichwort "G+ ist das FB für Erwachsene" (Wer hat das gleich geschrieben?).
Und die Art der Inhalte beeinflusst meiner Meinung nach die "Reaktivität" der User noch viel mehr als das Vehikel...
 
Sehe ich auch so wie +Thomas von Frommannshausen und +Christian Reichel : man muss den Blick auch auf den Auslöser der "Reaktion" werfen. Und eine spielerische Handlungsherausforderung provoziert freilich ganz andere Handlungsmomente als etwa ein Kommunikationsangebot. Reaktivität ist also immer ein Effekt und dem Handlungsauslöser nachgelagert.
Wenn man Handlung begrifflich so weit fasst, alle kommunikativen, rekreativen und kognitiven REAKTIONEN zu umfassen, wäre m.E. die Ko-relativität von Auslöser, Reaktion/Reaktivität und die situative Rahmung die spannendere Perspektive.
 
Gab's da nicht schon die Diffusionstheorie, die sowas messen will? Zumindest wird explizit auch die Verbreitung von Nachrichten in sozialen Systemen dort einsortiert...
 
Interessanter, interdisziplinärer Ansatz. Denke, das müßte auch ein Forschungsthema bei Sozialwissenschaftlern und Informatikern sein. Der Metrik könnte man noch einen Faktor hinzufügen, der das "Gewicht" der Kommunikationsteilnehmer bewertet, z.B. wie viele Follower bzw. Freunde jemand in den nachfolgenden Ebenen hat. Virales Marketing beschäftigt sich ebenfalls mit solchen Fragen, denke ich.
Beispiele:
Information diffusion through blogspace [Daniel Gruhl, 2004]: http://portal.acm.org/citation.cfm?id=988672.988739
Characterizing user behavior in online social networks [Fabrício Benevenuto, 2009]: http://portal.acm.org/citation.cfm?id=1644900
 
Müsste es nicht Kommunikationität heißen?
 
Ich würde es Kaskade nennen. Cityville baut auf Farmville auf, Farmville auf Facebook, Facebook auf einer Vielzahl kleinerer Communities.
G+ wächst auf dem Reichweiten-Nährboden von Twitter u. FB.
 
Es geht ja nicht um die Diffusion von Nachrichten innerhalb eines Netzwerkes sondern zusätzlich um das Überschreiten einer Art "Mitmach-Schwelle". Eine entsprechende ökonomische Theorie zu dem Thema wäre: Chwe, M.S.-Y. (2000): Communication and Coordination in Social Networks. In: Review of Economic Studies, 67: 1–16. Dort geht es eigentlich um politische Revolten, aber die Übertragbarkeit ist, denke ich, klar...
 
Beratersprech vom Feinsten! ^^
 
Wichtig ist doch auch, dass wir uns verschiedenen Arten von Reaktivität ausgesetzt sehen. Zum einen stille oder Nullreaktivität von deinen Follwern, die es nur lesen, aber deinen Beitrag beachten, passive Reaktivität durch faven oder +1en und aktive Reaktivität durch teilen, retweeten und der Teilnahme an der Diskussion via Kommentaren. Allein dadurch erhältst du ja schon starke Unterschiede in Quali- und Quantität.
 
Dabei muss ich unweigerlich an den Stuss von Mathias Döpfner denken: “Wenn sie alle einen anderen Blog gelesen haben, werden Sie nichts mehr haben, worüber sie sich unterhalten können”

Die Reaktivität steht für mich mit einer Anschlusstauglichkeit in Zusammenhang, wobei der Insiderwitz auf der einen Seite des Kontinuums liegt und das Wetter auf der anderen. Vielleicht sollte man auch nach dem Grad der Betroffenheit fragen?
http://www.slow-media.net/memetische-und-massenmediale-kommunikation
 
Diese "hyperexponentielle Verbreitung" sollte auf jeden Fall kritisch betrachtet werden: 1. Wie kommt diese Zahl der 100 Mio. "active users" von Cityville zustande? Wer misst die, wer gibt sie bekannt, sind diese Nutzer tatsächlich so aktiv? Möglicherweise ist die rein statistische Zahl nur eine Fata Morgana, die eine solche Verbreitung vorgaukelt? Vielleicht sind es nur Klicks und doppelt und dreifach Zählungen ...
2. wäre zu fragen (selbst wenn diese Verbreitung real ist): Welchen Relevanz hat diese Verbreitung insgesamt (oder in der Grundgesamtheit?) ... die Zahl wirkt phänomenal ... und dennoch ist sie sehr vage ... sie sagt nichts über die Relevanz z.B. des Games aus ... Cityville ist eben nicht jedermann bekannt, es gibt keinen Mainstream im Internet ... in manchen Communities ist eine Sache ein Riesending, in anderen wird sie nicht einmal bemerkt ... ich habe zum ersten Mal von diesem Game gehört (weder in meinem Netzwerk aufgetaucht, noch darüber bewusst gelesen), während mir Farmville durchaus noch in Erinnerung ist ... es muss hier wohl auch in verschiedene Welten/Netzwerke unterschieden werden.

3. zur Reaktivität selbst: da würde ich jedenfalls unterscheiden (wie sonst auch bei Verbreitungsmodellen) in Multiplikatoren und das einfache Fußvolk ... die Multipliaktoren (oder Aficionados oder wie auch immer ... jedenfalls die höchst aktiven User mit großem Netzwerk und hoher credibility in ihren Netzwerken) sind die entscheidenden Faktoren (abgesehen von der grundsätzlichen Relevanz und Attraktivität des verbreiteten Inhalts im jeweiligen Netzwerk).
Ben Sti
 
wenn dann reaktiv.
 
den begriff "reaktivität" finde ich gut, das beispiel cityville finde ich jetzt nicht so interessant. interessanter als diese marketing-idee von viralität ("strohfeuer", hehe) wäre es, den blick auf die "reaktive temperatur" in informations-suppen zu richten: wie schnell bewegen sich die teilchen, wie oft stoßen sie sich an, wie viele kettenreaktionen starten ... dazu fallen mir spontan ein: +Jeff Dachis' interview zum "Social Business Index", der offenbar datengestützt die soziale zirkulations-temepratur ("reaktivität") von unternehmen messen will. und +Christian Langreiter's experimentelles meme project, das sich auf twitter konzentriert und in dem es um ähnliche fragestellungen geht.
* http://www.adweek.com/news/advertising-branding/fast-chat-jeffrey-dachis-133438
* http://blog.mememapper.com/?page_id=3
und: http://mediatope.pbworks.com/w/page/20695491/Memes-Projekt
 
1. Wie kommt diese Zahl der 100 Mio. "active users" von Cityville zustande?

Es gibt Monthly Active Users und Daily Active Users und diese Metrics sind ausdefiniert. Es ist also kein Kaffeesatzlesen.
 
Gibt es genug Datenpunkte, um sagen zu können, dass das überhaupt hyperexponentiell (d.h. 1/(t_End-t) statt e^t) ist? Solche Entwicklungen enden ja in einer Singularität, wenn nicht andere Effekte dazwischenkommen. Außerdem braucht es dazu einen Mechanismus, der die Infektionswahrscheinlichkeit des einzelnen von der Zahl der bereits Infizierten abhängig macht, damit man die Nichtlinearität überhaupt reinkriegt.
 
Virale Gesamtreichweite eines Posts (inklusive aller Weiterleitungen) fände ich eine interessante Messgröße, auch im Hinblick auf interkulturelle Unterschiede: In Ägypten wären vielleicht Demo-Aufrufe weit vorn, in Deutschland Party-Einladungen von Teenagern.
 
+Sebastian May Ich denke die "Mitmach-Schwelle" hat er in "Intensität" untergebracht, obwohl ich auch gerade diese Intensität für den wichtigsten Faktor halte. Ein "RIP MJ" konnte nach Michael Jacksons Tod jeder mal eben twittern oder posten. Ob damit die "Reaktivität" der Nachricht von MJs Tod höher ist als die Anmeldung der 100 Millionen Nutzer, die sich in 40 Tagen für Cityville entschieden haben wäre interessant.
Ich denke, dass Faktoren wie Bedarf/erwarteter Vorteil, emotionale Betroffenheit(positiv/negativ) und der "Telling-a-secret-Faktor"(eigene Wortkreation) auch eine große Rolle spielen.
 
Ich sehe eine Schwierigkeit darin "Intensität" zu messen. Und die generelle Trennlinie zwischen messbarem und bewertbaren Größen. Aber genau die Frage der Qualität scheint mir schon das Entscheidende zu sein.
 
Es sei darauf hingewiesen, dass man Kommunikation nicht messen kann. Denn Kommunikation ist ein Prozess! Viele Kommentare hier, aber auch aktuelle Literatur der ungezählten Social-Media-Profis vernachlässigen diesen essentiellen Fakt. Man kann nur das Ergebnis von Kommunikation messen. Das Unvermögen, den Prozess als solches nicht erheben, sondern nur Ausschnitte herausgreifen zu können, war schon immer die Krux der Empirie (s. vor allem Meinungsforschung). Auch Reaktivität kann nur als Ergebnis verstanden werden.@Maria Platt: Watzlawick hatte mit "Man kann nicht nicht kommunizieren" recht. Aber man kann durchaus nicht reagieren! Ansonsten gebe es keine unidirektionale Kommunikation, da deine Interpretation von Watzlawick stets eine Reaktion impliziert. Damit würde jede Kommunikation unendlich werden...
Grüße
 
Der ganze Beitrag gereicht Gladwell zur Ehre, welcher übrigens kein Wissenschaftler sondern Journalist ist. Von einer Studie, +APPLE GRIEBSCH, kann hier keine Rede sein.
 
es geht doch aber gerade hier um das ergebnis und die folgerung daraus. google wächst schnell, vielleicht schneller als cville. lässt sich daraus folgern, dass es besonders reaktiv ist, sprich schnell pumpt, sich schnell ausweitet? und ist das im zweifelsfall auf die technik oder die leute, die sie bedienen zurückzuführen? oder beides, oder mehr? und welche implikationen hätte das attribut "reaktiv" für ein medienunternehmen/startup etc pp. wenn ich lobo richtig verstehe, hält er reaktivität für den motor eines netzwerk, sprich den erfolgsfaktor. nur fassen kann er es nicht, weswegen hier nach ideen getaucht wird.
 
@Kosok Reaktivität als Erfolgsfaktor würde bedeuten, dass je mehr Reaktivität, desto erfolgreicher ein Unternehmen. Aller Hacker dieser Welt schmunzeln jetzt. Denn bekanntlich waren die vergangenen Hackerangriffe deshalb erfolgreich, weil zu viel Reaktivität die Server lahm gelegt haben. Dieser Aspekt sollte beachtet werden. Auch ist nicht die Reaktivität der Motor einen Netzwerkes, sondern die Aktivität (der Input)...Reaktivität kann nur eine Reaktion sein. Aber keine Reaktion, wenn ihr nicht vorher eine Aktion voran geht.
 
Sowohl cityville als auch google+ basieren auf der Verbesserung/Erweiterung eines bekannten und von der (Netz-)Allgemeinheit schon verstandenen Konzepts, was die Akzeptanz und damit das Wachstum besonders groß macht. Das erklärt auch, warum sich zum Beispiel Bilder von Katastrophen noch viel schneller Verbreiten (Ich schätze mal grob: 1 Milliarde Menschen an einem Tag?)
 
Ich würde noch Ansteckbarkeit anfügen, also das Ausmaß, in dem fremde Dritte für dieselbe Sache entflammbar sind.
 
+Lorenz Graef - wie wärs denn mit einfacher schnöder Neugier?
 
In der Chemie ist Reaktivität die Fähigkeit eines Stoffes, eine chemische Reaktion einzugehen. Sie ist weder eine thermodynamische noch eine kinetische Größe, sondern eine qualitative Bezeichnung für die Stabilität oder Reaktionsfreudigkeit einer Substanz. Stabile Substanzen werden auch als wenig reaktionsfreudig klassifiziert. (wikipedia)
Reaktionsgeschwindigkeiten hängen im allgemeinen von den Konzentrationen der reagierenden Substanzen ab. Ist die Konzentration hoch, ist meistens auch die Reaktionsgeschwindigkeit hoch. Dies läßt sich mit der Kollisionstheorie erklären.Bei hohen Konzentrationen sind zahlreiche Moleküle in einem gegebenen Volumen vorhanden. Es kommt zu häufigen Kollisionen, bei denen die reagierenden Moleküle in die Reaktionsprodukte verwandelt werden; die Reaktion läuft schnell ab.
 
P.S.
Außer den Amish gibt es da noch ein paar Milliarden anderer, die keinen Zugang zum Netz haben. Wenn ich mich nicht irre, sind die noch in der Mehrheit.
 
Stell beliebig herausgesuchte Interessen der User als Statistik-Kurve dar - wenn dann, aus welchen Gründen auch immer, eine Erhöhung stattfindet und gleichzeitig ein Addon, eine Anwendung, eine Website dieses Interesse bedient, dann finden sich automatisch neue User hinzu, so daß sich angebotene Aktion mit vorhandenem Interesse potenziert-aktuelles Beispiel zur "Reaktivität":
Ich selbst lebe in einer Stadt mit 40TSD. Einwohnern und stelle seit ca. 1/2 Jahr auf FB aktuelle und interessante Fundstücke im Internet über diese Stadt zur Verfügung - obwohl der Interessentenkreis eigentlich relativ klein ist, haben sich dort nach und nach 5000 Leute als Freunde eingetragen, mehrere Hundert stehen wegen der FB-Beschränkung auf Warteliste - die angebotene Information hatte sich ohne mein Zutun wie eine Welle von Freundeskreis zu Freundeskreis ausgebreitet.
 
Grundsätzlich auch quantitativ interessant, aber richtig relevant wirds erst wenn man die Dimension "Qualität" der Reaktionen hinzunimmt alá Quantität der Reaktionen x Qualität der Reaktionen = Reaktivitäts-Gütemaß. Die Quantität kann man sicher gut erfassen, aber bei der Qualität wirds schwieriger...

Wär das ein Thema für meine Masterarbeit? ;)
 
Du suchst offensichtlich nach sowas wie der Einschaltquote fürs Internet. Wozu?
Um Leute zu beraten, wie sie noch mehr Scheiße in noch mehr verblödete Hirne kippen können?
Sind 25 Millionen Cityville-Besucher noch nicht genug. ...?
Brot und Spiele - offensichtlich schließt sich der Kreis bald.
 
Vielleicht könnte man folgende Formal zugrunde legen:

Maß der Reaktivität = (latent vorhandenes Interesse + Inhalt angebotener Leistungen) ²

wobei durch die Potenzierung der eigentliche Hype entsteht ???
 
Der Typ hier (ich meine S.L.) weiß, wie man den Leuten einheizt. So oder so...
Große Reaktivität garantiert!
"xaxaxa" wie wir Griechen sagen!
 
das ist wahr. die reaktivität von einzelnen nodes wie " +Sascha Lobo " wäre ein besonders messenswertes phänomen.
 
So wie ich den Text verstanden habe, ist der Begriff noch zu grob und allgemein angedacht. Um das vollständig zu erfassen müsste in die Überlegung mindest mit einbezogen werden:
- Quantitative Komponente (Wie viele Menschen werden erreicht?)
- Zeitliche Komponente (Wie viele Menschen werden in einer Zeitspanne x erreicht und wie lange bleibt die Information ein Thema?)
- Lokale Komponente (Ist die Information über Ihren Ursprungsort hinaus verbreitet? z.B. der Tratsch unter Nachbarn oder auch "nur auf facebook bekannt")
- Qualitative Komponente (am Beispiel Facebook: Anzahl der "Likes" gegenüber richtigen Kommentaren)

usw...

Vielleicht sucht man ja am besten mal in den Bereichen PR und/oder Marketing nach ähnlichen Fragestellungen. Ich bin mir fast sicher, das man da etwas finden wird, weil die Damen und Herren von dort sicherlich Ihre Sachen nicht unausgewertet lassen.

Anmerkung: Wer in Facebook Besitzer einer Seite ist, sieht unter den eigenen Beiträgen die Impressionen und das Feedback (in %). Die Überlegung Reaktion oder Nichtreaktion auszuwerten ist also auch nicht mehr ganz frisch im Netz :)
 
Reaktivität = Reaktion

Eine Aktion/Aktivität auf eine Aktion/Aktivität

Nur weils online ist, brauch man doch nicht direkt ein neues Wort.
 
Ich bin für maxihyperexponentiell! Oder supermaxihyperexponentiell!
 
Hääää, steht doch alles in "On Reactiveness" von Bodewig und Steinhiebel, Marburg 2009
 
Kleine Rückfrage: Was soll denn "Reaktivität" genau erklären bzw. inwiefern soll es das Verständnis weiterbringen?
Nie Low
+
1
2
1
 
Reaktivität (R)= √Information (I) × Web 2.0 (W) ÷ Amish People (AP)
 
Soziale Netzwerke mit ansteckenden Krankheiten zu vergleichen entbehrt nicht einer gewissen äh Dings. Konsequenterweise solltest Du die Heilungsphase dann auch mit untersuchen (Immunisierung, ökologische Nische wird von konkurrierenden Keimen SocialNetworks besiedelt, oder Ausrottung des Wirts).
 
Als Kennzahlendesigner würde ich ein Composite bilden aus 'Heavy User Share' (http://kpilibrary.com/kpis/heavy-user-share) und einem Derivat des 'Flesch–Kincaid Grade Level' (http://kpilibrary.com/kpis/flesch-kincaid-grade-level), den ich jedoch auf allgemeine Medien und Inhalte aufbohren würde.

Damit würde man das [Informationsgewicht/Zeit] und die Qualität ganz gut zusammenbekommen um solche Mem-Epidemien zu beschreiben.

Einen griffigen Namen müsste sich aber jemand anders ausdenken.
 
Interessantes Projekt, besonders wenn man Marketing über soziale Netzwerke betreibt. Da geht es ja um nichts anderes als diesen Wert + die Anzahl der "Virenüberträger" zu erhöhen
 
Zu MAU: was "aktiv" heißt bzw. welche Aktionen als aktive Nutzung gelten ist stark unterschiedlich ... letztendlich heißt es nur, dass 1 user das Game geladen und 1x getestet hat.
 
Ick kann hier höchstens mit ein paar Algorithmen (http://en.wikipedia.org/wiki/Centrality) und bissl soziologischem Hintergrund dazu dienen. Denke aber, daß man Deine "Reaktivität" messen kann. Hab mich in meiner Dipl-Arbeit mit etwas ähnlichem befasst. Kommste mal einfach zum Mittag runter... können wir drüber quatschen.
 
… das irgendwas »… vollständig im System Internet stattfinde[t] …« halte ich übrigens für inkorrekt.
 
Hmmm ich weiß ja nicht ... Reaktivität besagt ja (traditionell), dass in einem Prozess mehrere Reagenzien aufeinander treffen und bei der Reaktion daraus ein neues Produkt entsteht --- mir fehlt bei vielen dieser Phänomene (Farmville & Co.) der reaktive Aspekt, also letztlich das Produkt.

Ich würde den Begriff woanders klauen leihen --- bspw. in der Biologie, aus dem Umfeld der Generationszeit (dem Gegenteil der Halbwertszeit) ... gerade für die sog. "Hype-Themen" wäre ein Begriff wie Invasivität nämlich eigentlich doch auch passend, oder? ;-)
Ralf R
 
Dann fehlt jetzt ja nur noch der Terminus "Reaktionskinetik", damit wir eine noch bessere Analogie zwischen Sozialen Interaktionen und Chemie ziehen können
 
Bei Qualitaet wuerde ich eine geometrische Reihe ueber TFIDF setzten
 
Die "Qualität" einer Reaktion, halte ich, für völlig uninteressant.
Wichtig ist doch ob es eine 1 oder eine 0 wird.

"Mache ich mit" oder "Mache ich nicht mit", genau wie bei dem "Gefällt mir" und "+1"-Button. Es wird nicht gefragt, wie sehr mir etwas gefällt und wie toll ich etwas finde.
Ich muss es nur verbreiten, dazu ist ein kleiner Klick natürlich perfekt.
Die Hemmschwelle ist niedrig einfach mal auf "ja" oder "teilnehmebn" oder "mitspielen" zu klicken.
Je komplexer die Frage ist, desto weniger Reaktion wird sie hervorrufen, deswegen gibt es keine +1 bis +5-Button.
Aus diesem Grunde, halte ich die "Qualität" nicht für wichtig.
 
Für eine etwas weniger zusammengestoppelte Definition könnten Analogien aus dem Fachgebiet der Epidemologie dienen. Warum sollten sich mems anders verbreiten als gems ...
 
Spannend, spannend. Als Datenonkel stellt sich für mich die Frage, wie man sowas operationalisieren kann. Die APIs von Facebook & Co. kann man anzapfen und so hätte man eine Datengrundlage. Alles geben die leider auch nicht her. BTW – schon mal wer gehschaut, was die Google+ API so hergibt? Mit solchen Tools wie Radian6 kann man schon ganz gut messen, wie Themenkarrieren laufen, wer Themen setzt, welche Art von Themen sich besonders leicht verbreiten etc. (gibt es noch Agenda Setting-Forschung?). Ah Ja, für Google+ wissen wir, dass der liebe Sascha unter den am meisten beachteten Kommunikatoren Google+-weit ist – höflichste Gratulation :-)
Ok – Daten beziehen wir aus Schnittstellen und generieren daraus viele Bausteine, um ein Modell zu entwickeln. Ab wann würden Prognosen sicher? Mit welcher Sicherheit kann man etwas (was auch immer) entwickeln, dass die Stufen des Modells durchschreitet, bis sich „Hyperaktivität“ entwickelt, der Tipping Point erreicht wird? (ein wenig The Roots hören ...).
Ob man nun den Begriff „Reaktivität“ dafür benutzt, was von Sascha Lobo beschrieben wurde oder nicht, ist vorwiegend akademischer Natur. „Tsunami“ wäre derzeit politisch nicht ganz korrekt. Was gemeint ist, ist klar und Doppelbelegungen von Begriffen gibt es mehr als einmal. Man denke nur an Herrn Luhmann und seine etwas eigen-artige Nutzung von Begriffen.
 
Ich denke nicht, dass sich die Phänome, die dich gerade so faszinieren, wirklich mit einer einzigen Kenngröße gut beschreiben lassen, +Sascha Lobo Zumindest wird das nicht besonders gut dabei helfen, solche Phänome zu verstehen und zu vergleichen. Stattdessen treffen hier meiner Ansicht sich verschiedene Mechanismen zusammen, die jede mit einer einzelnen Kenngröße belegt werden sollten. Ich entlehne das jetzt mal der Biologie (weil es so viele Parallelen zu Epidemien gibt) und denke das sind mindestens:

#Reproduktionsgescbwindigkeit des Ansteckungsmittels
#Inkubationszeit
#Ansteckungswahrscheinlichkeit

Vielleicht kann man das multiplizieren und erhält dann eine Kenngröße. Aber, wie oben gesagt, wäre das für die Analyse und den Vergleich solcher Mem-Epidemien eher weniger hilfreich.

Ich war mir nicht ganz sicher, deswegen habe ich gerade noch mal schnell nachgesehen. Tatsachlich habe ich da im Jahre 2004 mL was drüber geschrieben
http://notizen.steingrau.de/2004/12/10/erfolgsfaktoren/
 
+Markus Breuer
Nich zu vergessen:
# Quelle
# soziale Infrastruktur

allein die soziale Infrastruktur bestimmt schon am Anfang alles
 
Ich will hier in die Diskussion auch mal den sogenannten "Klout Score" einwerfen - eine Maßzahl für den Einfluss eines Unternehmens beim Setzen und Besetzen von Themengebieten, wobei der Einfluss die Fähigkeit darstellt, Nutzer/Kunden zu Handlungen bzw. Reaktionen jedweder Art zu bewegen: http://corp.klout.com/kscore
 
Über hundert Kommentare und davon 2 - 4 von Frauen. Ohje.
 
oh gott, er erzieht uns zu egomonstern! (frei nach dr.cox)
 
Ganz vielen Dank für Eure vielen guten und interessanten Kommentare; ganz erstaunlich, wie gut das hier funktioniert, und: G+, der Angriff auf das Blog.
Ich werde Euch zeitnah auf einem der üblichen Kanäle an meinen weiteren Überlegungen teilhaben lassen, erst muss ich die vielen Hinweise und Anmerkungen mal sichten und wichten.
 
Hätte da auch noch eine Anmerkung: in der Soziologie gibt es Ansätze, die Netzwerk- und Diskursanalyse zu verbinden, um Innen (Akteure) und Außen (Strukturen) gemeinsam betrachten zu können. Könnte bei der Unterscheidung von absoluter und subjektiver Reaktivität helfen; dazu: Hyperlink-Network-Analysis von Park/Thelwall.
Bin gespannt auf die Ergebnisse der Reaktivität nach Lobo ;)
 
Ein guter Ansatz! Weiterhin könnte die Reaktivität in Relation zur Zeit (R/h oder R/d) oder ggf. in Relation zu einer abstrakten Definition von Breite (Verteilung der IP Adressen, ...) hilfreich sein.
 
Ich habe mir mal alle Kommentare durchgelesen und diejenigen, die mir persönlich besonders gut gefallen haben mit einer 1+ versehen. Spannend, dass mir während dieser Tätigkeit ein paar Qualitätsmaßstäbe aufgefallen sind, die ich automatisch angewendet habe:

- Schreibstil
- Verständlichkeit / Klarheit der Botschaft
- Informationgehalt
- Originalität
(hätte jeder darauf kommen können,
oder ist gedankliche Kreativität im Spiel?)
- individueller Wissenszuwachs (habe ich was gelernt?)
- Vollständigkeit der Botschaft (z.B. Nur ISBN ist zu wenig Info)
- Wiederholung oder neue Information?
- Länge des Beitrags (nicht zu lang, nicht zu kurz)
- Neutralität des Beitrags
(keine extremen Meinungs- oder Gefühlsäußerungen)
- Relevanz des Beitrags (passt er zum Thema?)
- Fremdwortdichte (möglichst gering)
- "Kontextfreiheit" Ist der Beitrag zu verstehen,
ohne die vorherigen gelesen zu haben?
- Sind vollständige Quellenangaben vorhanden?
- Kritische Prüfung des Sachverhalts
(eigene Gedanken eingebracht oder nur nachgeplappert,
um auch mal was gesagt zu haben?)
 
Denke interessant wäre in diesem Zusammenhang auch die Transaktionsanalyse nach Harris und die Erkenntnisse der Forschung über Spiegelneuronen. Sprich, welcher teil der Persönlichkeit des Users spiegelt die Aktion und leitet im weiteren daraus eine Reaktion ab.

Spiele - Reaktion über das Kindheits-Ich
Spiele / Facebook / etc. - Genuss durch Masse - Limbisches System - Reaktion über das Kindheits-Ich
Pics / Videos - ggf. Reaktion der Spiegelneuronen - bei Überleitung ins Limbische System entstehende Empathie - Reaktion über das Kindheits-Ich
schreckens-Bilder / Nachrichten - erzwungene Reaktion durch Eltern-Ich
interessante Infos etc. - Reaktion des Erwachsenen-Ich

dem gegenüber

nicht Reaktion des Erwachsen-Ich - interessiert einfach nicht
nicht Reaktion des Elter-Ich - “das macht man nicht“ oder “das ist peinlich“
nicht Reaktion des Kindheits-Ich - Angst vor der weiteren Reaktion

Sollten diese Annahmen dazu stimmen, so wäre die Frage, auf welche Reaktivität zielt die jeweilige Aktion und somit ob es eine planlose Reaktivität oder ein gewünscht ist.
 
Hyas Lobo

Du schreibst : "Das halte ich für die größte und schnellste Verbreitung von irgendwas in der Geschichte der Menschheit…"

Da gab es mal was schnelleres in Punkto Verbreitung, den SQL Slammer Virus ( http://en.wikipedia.org/wiki/SQL_Slammer ).

Zum Vergleich mit Cityville :
100 Millionen Aktive Nutzer in 40 Tagen (3'456'000 Sekunden) = 28.9351852 Aktive Nutzer/Sekunde
Der SQL Slammer schaffte ca 75,000 Infektionen in 10 Minuten (600 Sekunden) = 125 Infektionen/Sekunde

Also rund viermal mehr ;-)

Das Ganze steht und fällt natürlich mit der Definition der EVENTS (Aktive Nutzer kontra Infektionen) mit der Zeitachse und der möglichen Verbreitung.
(die Anzahl möglicher Infektionen beim Slammer war durch die Anzahl verletzbarer SQL DB's beschränkt)

Aber aufgerechnet mit den 40 Tagen wie bei Cityville würden wir in 40 Tagen auf 432'000'000 SQL Slammer Infektionen kommen.

Die Knackpunkte an der Reaktivität sind wahrscheinlich sowieso die Definition der Events und natürlich die Messbarkeit von Intensität.
 
Das lässt sich mit dem Viral Loop vergleichen (http://id-o.de/2009/11/14/viral-loop-virales-design-zusammenfassung/) der einer Idee von Pennenberg (2009) entstammt. Um die virale Verbreitung zu messen benötigt man

1. Die Anzahl der Einladungen (Infektionen), die ein Teilnehmer (Infizierter) versendet - N
2. Die Teilmenge an Eingeladenen, die diese Einladung annimmt - P1
3. Wiederum die Teilmenge letzterer, die weitere Einladungen verschicken - P2

Die Anzahl der Teilnehmer ist dann N * P1 * P2.
Interessant wird es aber erst, dieses Teilnehmer-Wachstum im zeitlichen Verlauf zu betrachten. Dazu eignet sich System-Dynamics. In meiner Arbeit "Evaluation von Online-Social-Games mit Hilfe von System-Dynamics" habe ich das für ein Prototyp-Social-Game gemacht.

Dabei ist es wichtig die Unterfaktoren zu bewerten, die für N, P1 und P2 verantwortlich sind. Das kann beliebig komplex werden und geht in die Richtungen User-Interface-Performance, Game-Design, Gefühlte Sicherheit, Marketing etc. pp., Häufigkeit der Spielupdates. Die wichtigsten 250 Faktoren habe ich dokumentiert. Ist aber auch schon eine Weile her ;)

Am Ende geht es beim viralen Loop um das gleiche wie bei Kaufabschlüssen im Internet: um die Konversionsrate. Die liegt halt meistens super-niedrig und bei ganz wenigen Sachen (City Ville, G+) etwas höher.
 
Immer wieder amüsant wie Dwight den simpelsten, ältestend Krempel unbeholfen eloquent aus dem Mastdarm des Marketings ins vermeintliche Rampenlicht zerrt und auch noch davon überzeugt ist das Rad neu erfunden zu haben.
 
Genau "qualitative Reaktivität" (was für ein Wortungetüm...) Noch ist die Atmosphäre und der Level ja richtig angenehm. Schätze das wird sich trotz aller Circles bald wieder in der großen Masse auf den niedrigsten Nenner nivellieren... Schaut doch mal bei www.glovilla.de vorbei. Hier geht's um Klasse statt Masse...
 
Wie wäre es denn mit REgieren, anstatt zu REagieren? Wichtiger ist doch die Frage, was bringt die meisten Reaktionen hervor, wenn man eine Aktion startet? (dp) Tipp: Qualität vor Quantität
 
Da ich nicht alle Kommentare lesen konnte, verzeiht falls schon erwähnt.
Vielleicht kannst du dir ein paar Anregungen in der "klassischen" Netzwerkanalyse ziehen? Grundlagenwerk wäre dieses: Jansen 2006: Einführung in die Netzwerkanalyse. (http://www.amazon.de/Einf%C3%BChrung-die-Netzwerkanalyse-Grundlagen-Forschungsbeispiele/dp/3531150545/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1311539031&sr=8-1)
Vielleicht wären Maße wie die Betweeness oder bestimmte Prestigemaße von Nutzen für deine Reaktivität, im Sinne von informellen Informationsstrukturen.
Mein Prof. würde sich freuen ;)

beste Grüße!
 
Wäre ein Mess-Instrument dann auch ein Geiger-Zähler ;-). Klingt fast so.
 
Wenn ich mich nicht Irre, wäre die Kontaktrate auch nur eine Form der Quantität. Ich denke, dass es vor allem, um die Qualität zu bestimmen, erst einmal wichtig ist die Quantität von einer Reaktion verursachenden Nachricht zu ermitteln. Ohne das jetzt belegen per Beweisführung belegen zu können, denke ich, dass man einen positiven Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen feststellen könnte. Wenn man also eine hohe Quantität findet, ist wahrscheinlich auch eine hohe Qualität erhalten.

Quantiät könnte hierzu zunächst an zwei Parametern gemessen werden, um den zeitlichen Verlauf zu berücksichtigen. Der Gesamtverbreitung und mit einer Art von Frequenz, also der durchschnittlichen Verbreitungsgeschwindigkeit. Damit könnte man mit Sicherheit sinnvoll abstecken was quantitativ gut ist.
 
Um auf das erwähnte Betweeness Maß zurück zu kommen:"the more people depend on me to make connections with other people, the more power I have" -> Hier: Auf die Personen die die Nachricht erhalten kommt es an. Also eine Qualität der Nachrichtenübermittler oder? :)
 
Antipode zu Anmeldung und sprunghaften Anstieg ist die Stagnation durch unerfüllte "high hopes" -- hier werden sich google+ und farmville unterscheiden. google+ ist zu sehr klon und ohne gewachsene infrastruktur entstanden wie am reißbrett eines städteplaners (schlimmer noch: nicht "social"-fähig durch real name policy & fehlenden standard features). ich vermute die stagnation hat schon eingesetzt.
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