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Raoul Yannik
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Raoul Yannik
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Abendmahl - ein Bühnenstück

Erster Akt
__________________

Die Bühne ist smooth und sparsam illuminiert. Die Beleuchtung soll einen anbrechenden Abend symbolisieren, was jedoch nur unzureichend gelingt. 
Auf der Bühne, parallel zu den Sitzreihen im Zuschauerraum und streng nach der Euklidischen Geometrie ausgerichtet, steht ein einfacher, langer Holztisch. Der Tisch ist mit einem nicht ganz sauberen, beigebraunen und erkennbar nachlässig geflicktem Tuch bedeckt. Mittig auf dem Tisch steht eine fleckige Glaskaraffe, die zur Hälfte mit einer hellroten Flüssigkeit gefüllt ist. Am Tisch, mit den Gesichtern zum Publikum, sitzen zwölf Männer, die sich flüsternd und heftig gestikulierend unterhalten. Der mittlere, der dreizehnte Platz am Tisch ist noch frei. Mit etwas Phantasie und viel gutem Willen kann man die Szene als Speiseraum einer einfachen ländlichen Kantine interpretieren. 
An der Rückseite der Bühne befindet sich eine überdimensionierte Leinwand. 
Auf die Leinwand wird ein Bild projiziert – offensichtlich von einem etwas schräg stehenden Dia-Projektor. Das Bild zeigt drei geöffnete Fenster, und in den Fenstern eine beleuchtete Hügellandschaft mit einem kitschig anmutenden Sonnenuntergang.  
Das Licht wird heller und die Stimmen der zwölf Schauspieler am Tisch etwas lauter. Aus dem Gemurmel kann man deutlich die Worte verstehen: „Ich hab die Schnauze gestrichen voll. Die bezeichnen uns als lichtscheues Gesindel. Das ist eine Unverschämtheit. Wir sind erleuchtet …“

Auf das Stichwort wird mit einem klackenden Geräusch ein Bühnenscheinwerfer eingeschaltet, der mit einem zitternden Strahl von links kommende, in der Mitte der Bühne stehen bleibt, und den dreizehnten Platz ausleuchtet. 

Auf der äußeren, linken Seite der Bühne stehen drei Herren in dunklen Anzügen. Leise stimmen sie das  Kýrie eléison an.

Johannes (der Sechste von rechts, oder aus der Perspektive des Publikums von links) beugt sich vor, und streicht liebevoll mit seinen Händen das Tischtuch glatt. Dann pustet er mit gespitzten Lippen (die erkennbar rot geschminkt sind) imaginäre Krümel vom Tisch. Er spuckt auf den weiten Ärmel seines Gewandes und versucht mit dem Stoff die fleckige Karaffe zu säubern. 
Das Getuschel auf der Bühne wird lauter und übertönt den Gesang, der verstummt. Die drei Herren gehen hinter die Bühne. 
     
Jesus betritt von der rechten Seite die Bühne. Er geht mit forschem und selbstbewusstem Schritt zur Mitte der Tafel. Seine Stimme klingt fröhlich und er ruft laut: „Mahlzeit.“

Keiner der zwölf Anwesenden sieht auf. Vereinzelt kann man ein leises, fast uninteressiert gesprochenes „Mahlzeit“, und dazwischen auch ein helles „hallo Chefchen“ verstehen.

Jesus bleibt abrupt vor seinem Platz stehen. Er setzt sich nicht. Jesus beugt sich etwas vor und sieht mit einem leutseligen Lächeln die kleine Gesellschaft an. Dann spricht er: „Wohlan meine bescheidenen Brüder, wer an mich glaubt wird niemals hungern oder dürsten …“

Ein Lachen ist zu hören.

Jesus räuspert sich und dreht sich zu Johannes. Er lächelt und sagt: „… und natürlich wirst auch du etwas Warmes in den Bauch bekommen, liebe Janet.“

Das Publikum kann den Satz „sehr warm hier. Kann mal jemand ein Fenster öffnen“ vernehmen, aber auch:

„… ich hab es euch immer gesagt. Von wegen Triumphzug. Das war der falsche Weg …“

„… ein richtig megageiler Gig muss her. Eine Aktion, die das politische Bewusstsein …“

Jesus runzelt die Stirn. Er schaut nach links und nach rechts. Dann fragt er missbilligend: „Spüre ich da ein schlechtes Karma in der Belegschaft?“
Er bekommt keine Antwort, geht aber nicht weiter darauf ein. Man kann an seinem Verhalten erkennen, dass ihn eine Antwort auch nicht interessiert hätte. 

Jesus reibt sich die Hände. Dann nimmt er sie auseinander und hebt den leicht nach links geneigten Kopf etwas zur Decke. Er schließt die Augen und seine Handflächen zeigen jetzt zum Publikum. Niemand am Tisch nimmt von seiner demütig erscheinenden Geste Notiz. Das Licht wird wieder heller und leuchtet die ganze Bühne aus.

Nach etwa 30 Sekunden senkt Jesus den Kopf und öffnet die Augen. Er beugt sich etwas vor und betrachtet die halbvolle, mit hellroter Flüssigkeit gefüllte Karaffe, die auf dem langen Tisch vor ihm steht. Dann runzelt er die Stirn und sieht sich verwundert erscheinend um. Mit lauter Stimme fragt er: „Was ’n das´n? Gibt ’s nichts anderes?“

Judas hebt kurz den Kopf und antwortet: „Nee.“
Dann flüstert er seinem Tischnachbarn Simon Petrus etwas zu. Simon Petrus nickt eifrig zustimmend mit dem Kopf und streicht mit der linken Hand bedächtig über seinen Bart.  

Jesus blickt wieder zuerst nach links, und dann nach rechts. Seine Stimme klingt lauter und verärgert: „Wie nee? Was soll das heißen? Ich bin der Chef, euer Meister und Brötchen-Geber. Da kann ich ja wohl eure ungeteilte Aufmerksamkeit und eine ordentliche Antwort erwarten. Sabberlot noch mal …“

Judas hört auf mit Simon Petrus zu flüstern. Simon Petrus senkt den Kopf und Judas antwortet mit unüberhörbar sarkastischem Unterton in der Stimme: „Jawohl Herr Chef. Selbstverständlich Herr Chef. Wie der Herr Chef es wünscht. Aber leider ist nur noch etwas Wein vom Aldi da.“

Jesus greift nach der gläsernen Weinkaraffe und hält sie gegen das Licht. Dann spricht er mit herrisch klingender Stimme in die Runde: „Wollt ihr mich verarschen? Was ist mit dem Wein los? Da ist ja mehr Wasser drin als Wein? Ihr wisst doch, ich mag kein Wasser. Seit mich der Scheiss-Täufer  (Jesus dreht den Kopf nach rechts und spuckt verächtlich auf den Boden) da reingedrückt hat, bekomme ich einen Ausschlag, wenn ich Wasser nur sehe ...“ 

Jesus sieht sich um, aber niemand beachtet ihn. Man kann erkennen, dass er kurz vor einem Wutausbruch steht. Dann schreit er: „… außerdem ficken im Wasser Fische.  Ich will Wein. Ich will Wein. Ich will Wein …“
Jesus greift nach der Karaffe und schlägt mehrmals damit auf die Tischplatte. Es schwappt etwas Wein auf das befleckte Tischtuch, aber das Gefäß zerbricht nicht.

Johannes fragt besorgt: „Herr, soll ich mit dem Krug zu Jakobs Brunnen gehen …“ 

Jesus beachtet ihn nicht und lässt sich schwer atmend auf den mittleren Stuhl fallen. Sein Gesicht ist rot angelaufen und man kann Zornesfalten auf seiner Stirn erkennen. 

Ein leises Flüstern ist zu hören: „Janet will wieder am Brunnen schwuchteln …“ 

Jesus schaut sich um, aber die Zwölf haben die Köpfe gesenkt. Auf der Bühne herrscht Schweigen, aber die Zuschauer hören ein leises Kichern. 

Judas lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Mit seinen Daumen zieht er seine Hosenträger etwas von seiner Brust weg und lässt sie mit einem klatschenden Geräusch zurückschnappen. Dann antwortet er mit einem überheblich erscheinenden Grinsen im Gesicht: „Herr Chef, ich dachte du hast einen eigenen Weinberg?  Du kannst doch aus Wasser Wein machen, oder hab ich da was Falsches gehört?“ 

Thomas antwortet hämisch: „Was zu beweisen wäre.“

Andreas fragt: „Wie wär es dann mit ein paar Fläschchen vom Guten für deine alten Kumpels? Oder haben dir die Sünderinnen  beim vielen Ölen, Salben und Handauflegen alles weggetrunken?“ 

Und hier kann der vollständige Text gelesen und gedownloadet werden
(und weil Ostern ist, revolutionär kostenlos)

https://www.yumpu.com/de/document/view/20382941/abendmahl-ein-historisch-volkstumliches-buhnenstuck
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Raoul Yannik
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Raoul Yannik
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BUMMM (Gespräche im Dunkeln)

„Du …“

„Ja?“

„Mir ist langweilig. Ich denke, ich schreib jetzt ein Buch.“

„Fängst du jetzt auch an zu spinnen. Das geht doch gar nicht.“

„Warum denn nicht?“

„Weil´s hier ziemlich dunkel ist.“

„Jetzt fällt es mir auch auf. Außerdem hab ich keinen Computer, und eng ist es hier auch. Alles Scheiße.“

„Was? Dass du deinen Computer vergessen hast?“

„Das auch, aber eigentlich steht´s mir hier.“

„Das geht mir auch so, aber was willst du machen? Das ist halt so.“

„Ich weiß nicht? Vielleicht ruhig bleiben und abwarten?“

„Auf was?“

„Na das die endlich vernünftig werden, und wir hier raus können.“

„Da kannst lang drauf warten. Wir bleiben hier.“

„Ob die uns rausholen?“

„Wie? Rausholen? Warum?“

„Na hier, aus dem beschissenen Loch.“

„Vergiss es.“

„Du meinst, die machen das nicht?“

„Nein, die machen das nicht. Wir sind nicht wichtig. Wer interessiert sich schon für uns. Die haben uns vergessen.“

„Aber wir haben doch gar nichts getan.“ 

„Na und? Wir haben nie etwas getan. Wir sind nicht wichtig. Wir waren nie wichtig. Wir werden nie wichtig sein.“

„Ich will aber hier raus.“

„Vergiss es. Du bist tot. Draußen bist du noch töter als tot. Du bist Mausetot.“

„Aber ich bin doch noch so jung. Ich wollte doch immer nur Frieden.“

„Das wollten wir alle.“

„Ob er an uns denkt und uns da rausholt.“

„Vergiss es.“

„Warum?“

„Der ist sauer. Der will nicht mehr. Der hat die Kopfhörer runtergenommen. Der hört uns nicht. Der will uns nicht hören. Der hat abgeschaltet.“

„Warum das denn? Das macht der doch nicht. Das würde der nie machen. Der doch nicht.“

„Doch, das hat er. Für den ist Feierabend, tutto finito – aber sowas von. Ständig das Gemotze von seinen Kumpels anhören, da wär ich auch sauer. Der hat die Schnauze gestrichen voll.“

„Aber wir sind doch im Recht. Wir sind doch Freunde und wir sind seine Brüder. Und zwischen Freunden und Brüdern gibt´s doch hin und wieder Missverständnisse. Das wird der uns doch nicht krumm nehmen. Das ist doch unser bester Bruder. Wir bleiben immer die kleinen Brüder vom großen Bruder. Wir wollten doch nicht weg von ihm. Wir wollten doch nur - wie heißt es noch?“ 

„Was?“

„Jetzt fällt es mir wieder ein, die freiheitliche demokratische Grundordnung schützen.“

„Na und, wen interessiert das schon.“

„Aber der holt uns doch raus? Der hat uns doch nicht vergessen? Uns, seine kleinen Brüder.“

„Ich denke nicht. Der ist sauer und schmollt. Außerdem ist der zu schwach. Die anderen haben Raketen, und die werden von den anderen Verrückten mit Waffen versorgt. Das kann noch ewig so weitergehen. Der hilft uns nicht.“

„Das versteh ich nicht. Dürfen die den das? So mit den Raketen und so?“

„Nein, aber die tun es trotzdem.“

„Aber kann man denn da nichts machen, ich meine, da muss man doch etwas tun? Da muss er doch etwas für uns, seine Brüder und Freunde tun.“

„Der hat uns vergessen. Der ist sauer. Außerdem würde er dann die Souveränitätsrechte anderer, freiheitlich, demokratischer Staaten verletzten. Das hat der schon mal in Afghanistan und im Irak versucht, und auch in Kuwait, als er ungerechterweise da einfallen ist. Damals als es den Irren, den Saddam noch gab. Und dann hat der mächtig Dresche von den freiheitsliebenden Presse bekommen, und seitdem ist der vorsichtig.“

Eine empört klingende Stimme schreit aus dem Off: „Ich bin kein Irrer. Ich verbiete mir diese Respektlosigkeiten. Außerdem bin ich unschuldig und ich war immer gut zu meinem Volk. Und mit Kuwait hatte ich nichts zu tun. Da hat mich der Aggressor reingedrängt.“

Eine zweite Stimme aus dem Off: „Da stimme ich dem verehrten Herrn Saddam bei. Ich kann das beschwören. Der Herr Saddam hat niemals irgendwen gefoltert, oder mit Giftgas umgebracht. Davon wusste er nichts. So etwas hat der nie gemacht. Außerdem waren die Frauen und auch die Kinder alle Verbrecher. An Unschuldigen hätte er sich nie vergriffen. Sonst hätten wir den gar nicht hier aufgenommen.“

Eine dritte Stimme aus dem Off: „Ich habe das immer gesagt, wenn das mein Freund, der Herr Saddam wüsste. Aber auf mich wollte ja keiner hören. Mir ist das auch so ergangen. Ich habe nicht gewusst was mein treuer Heinrich und Goebbi die Verbrecher alles anstellen. Ich wollte für mein Volk immer nur das Heil und den totalen Frieden.“

„Du …“

„Ja?“

„Wir sind nicht allein.“ 

„Hallo ist da jemand? Wer seid ihr denn?“


Eine gutturale Stimme mit einem väterlichen Unterton im Kehlkopfbereich antwortet von oben: „Guten Tag liebe Genossen.  Wir haben hier einmal in der Woche unsere große Lagebesprechung. Das da zu meiner Rechten ist mein Freund Adi. Ich bin der Iosseb. Ihr könnt aber Josi zu mir sagen. Und der andere da, de da hinten auf dem Stühlchen sitzt, ist  der Milo. Der ist noch nicht so lange bei uns.“

Eine empörte, fast kreischende Stimme antwortet: „Moment mal. Ich sitze in der Mitte, und du Iosseb sitzt links von mir. Schließlich habe ich Moskau erobert, und Stalingrad dem Erdboden gleichgemacht.“

Gelächter und hysterisches Kichern. 

„Bitte hört auf euch zu streiten. Dürfen wir euch mal was fragen?“

„Ja klar.“

„Habt ihr eine Ahnung, ob er uns rausholt?“

Josi aus dem Off: „Keine Ahnung. Wir denken, dass der kapiert hat, dass es besser ist, wenn er sich nicht mit uns anlegt.“ 

„Wie das denn?“

„Das ist doch ganz einfach zu verstehen. Wir sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Der Adi hat erzählt, dass er alles nicht so meint, und ganz friedlich ist, und niemandem niemals etwas antun wird. Und dann haben ihn unterdrückte Volksgenossen gebeten, das schreiende Unrecht zu beseitigen, und dann hat er die Krim heim ins Reich geholt.“  

„Hä?“

„Entschuldigt Leute, ich meinte nicht die Krim, ich meinte Polen und Danzig und das restliche Kleinzeug …“ 
„… und demnächst kommen Mallorca und Baden-Baden dran, weil da Russen unterdrückt werden.“

Verständnisloses Schweigen von unten.

„… und dann, ja dann hat dem gewaltig eins auf die Amischnauze gegeben. Und ich hab einfach Raketen auf Kuba aufgebaut und die ganze Welt hat gejubelt und die Internationale gesungen. Und jetzt hat der Obama erst mal genug und schmollt.“

Eine zaghafte Stimme von unten: „Bringt ihr da nicht mächtig was durcheinander?“ 

Eine herrisch klingende Gegenfrage von oben: „Wieso?“

„Kuba? Da gab es den Obama doch noch nicht.“

„Ist doch egal. Ob Obama, oder Bush, oder Kennedy, oder wer auch immer. Die Amis sind alle gleich. Zuerst mischen die sich überall ein, wenn ein Volk zum Volke will. Dann verseuchen die die armen Menschen mit Cola, Kaugummi und Nylons, und sind gleich beleidigt, wenn man mal ein Späßchen macht. Was sagst du denn dazu Adi?“

„Stimmt. Denen haben wir 45 total den Arsch versohlt.“

„Ja Brüderchen. Darauf einen Vudka.“

Eine noch zaghaftere Stimme von unten: „Moment, da stimmt doch was nicht. Das war doch ganz anders …“

Ein aufgeregt klingender Zwischenruf von oben: „Wir denen auch …“

„Sei still Milo, du bist doch nur ein kleines Würmchen, ein Anfänger. Die paar Leutchen im Kosovo. Das war doch nichts. Das war gar nichts.“

„Aber die haben euch doch …? Oder haben wir da was verwechselt?“

„Alles gelogen. Ihr da unten seid das Volk, und ihr dürft nicht alles glauben, was euch die Cowboys erzählen. Lasst es euch ein für allemal gesagt sein. Alles was ihr gelernt habt ist üble Geschichtsverfälschung. Die Amis sind ungerechterweise in mein Großreich einmarschiert und haben versucht mir alles wegzunehmen, was rechtmäßig mir gehört. Frankreich, Italien, die Niederlande, und bald die ganze Welt …“ (Man hört, wie jemand leise „die Fahnen hoch, die Reihen fest geschlossen“ summt und mit dem Fuß aufstampft)

Eine zaghafte Stimme von unten: „Und ihr denkt jetzt, dass er uns hier unten vergessen hat?“

„Ja klar doch. Ihr seid nur die Masse, das Volk, die Volksmasse. Mein treuer Heinrich hat mal gesagt: Den Tod geben, den Tod nehmen. Für euch interessiert sich kein Schwein. Außerdem habt ihr euch verbrecherisch mit fremden, friedliebenden Ländern solidarisiert. So etwas tut man einfach nicht.“

„Stimmt Adi. Da bin ich auch dagegen. Ich finde, man sollte die Rechte anderer Völker respektieren. Das hab ich bei Karlchen gelesen. Und mein NKWD hat immer strikt darauf geachtet. Da hat der keinen Spaß verstanden. Die haben immer brav die Internationale gesungen. Sogar auf dem Kudamm in Berlin. Ja das waren noch Zeiten. So etwas gibt’s heute nicht mehr …“ (Zwei Stimmen summen leise „… dihiee Internationahale, erkämpft das Mehenschenrecht …)

„Aber wir sind doch nur einfach Leute. Davon verstehen wir doch nichts, und jetzt wollen wir nur noch nach Hause.“

„Adi sag mal, was hättest du denn gemacht, wenn du die Möglichkeiten gehabt hättest, wie die Jungen heutzutage. Wenn du als Erster Atomraketen gebaut hättest?“

„Brüderchen Josif, also das ist wieder einmal eine selten blöde Frage. Du wirst langsam senil. Willst du das wirklich wissen?“

„Ja sag schon.“

„Ich hätte klar und deutlich gesagt, was ich vorhabe. Ich hätte es in mein Buch rein geschrieben und gesagt, dass ich die Dinger baue, um sie abzuschießen und um alle platt zu machen. Und zwar alle, die keine haben. Außerdem ist das legitim, weil es das Recht und der Wille des Volkes zur Selbstverteidigung ist …“

Zwei laute Stimmen von unten: „Wir sind das Volk, und wir wollen das nicht.“

„ … und außerdem verstößt das nicht gegen den Atomwaffensperrvertrag.“ 

„Und das funktioniert?“

„Ich hätte auch noch gesagt, dass mein Volk sich nicht und niemals einem UN-Ultimatum beugt. Ich hätte den Weltsicherheitsrat davor gewarnt, sich vom Westen instrumentalisieren zu lassen. Ich hätte gesagt, dass die friedliche Nutzung der Nukleartechnologie das Recht des Volkes ist. Und dann hätte ich noch gesagt, falls es zu Sanktionen seitens der UN kommen sollte, wird das Volk entsprechend handeln, denn das Volk sind die da unten.“

Ein Zwischenruf aus dem Dunkeln: „… aber wir wollen das nicht.“

„Schnauze da unten.“

„Adi hör nicht auf die Massen im Bunker. Erzähl mehr. Das glaub ich dir nicht, dass das funktioniert.“

„Doch, das kannst ruhig glauben.“

„Aber warum hättest denn so was Blödes getan. Das was du vorhast schon in ein Buch reinzuschreiben.“

„Weil es mir doch keiner geglaubt hätte, und ich in Ruhe weiterbasteln hätte können. So lange, bis die Dinger fliegen und einen richtig schönen Krach machen.“

Eine vierte Stimme aus dem Off: „Genau was ich immer sage. Und ich schreibe jetzt auch ein Buch. Und das kommt bald raus, und das wird ein Weltbestseller.“

„Wer bist denn du?“ (alle Stimmen gleichzeitig)

„Ich wollte nur mal sehn was hier so los ist. Ich bin der liebe Kim Jong Un. Ihr könnt aber auch geliebter Führer zu mir sagen. Darf ich bei euch mitspielen.“

„Eigentlich nicht. Du bist ja noch nicht tot.“

„Und mit so einem Haarschnitt schon gar nicht. Deinen Friseur sollte man verklagen.“

„Mein Friseur ist schon im Lager, zur Umerziehung. Aber Adi, du bist zwar mein großes Vorbild, aber ich muss dir das mal sagen: Mit so einem blöden Bärtchen, sollte man nicht solche Sprüche machen. Weil ich der geliebte Führer bin und bleibe und das für alle Ewigkeit, weil ich das mache, was ihr euch nicht getraut habt.“

„Wenn das so weitergeht wird das noch zu einer Führerhauptversammlung. Wir müssen da gelegentlich mal für Ordnung sorgen. Es kann schließlich nur einen Führer geben. Ich schlage eine gesetzliche Quotenregelung vor. Aber gut und ausnahmsweise. Schlitzauge, du bist irgendwie lustig. Du kannst ausnahmsweise mitspielen. Aber das mit dem großen Führer schmink dir gleich mal ab. Noch bist du ein Führerchen.“

„Is´ ja schon gut Adi, lass ihn doch. Wir wissen doch, dass du der Einzige bist. Das wird bestimmt lustig. Das ist doch der Kumpel von dem senilen Glatzkopf mit dem Sprachfehler, und der sich nie gewaschen hat. Wie hieß der noch mal, ich komm nicht drauf?“

„Bao, Dao, Mao oder so?“

„Richtig jetzt erinnere ich mich. Der olle Mao war das. Der war auch gut drauf. Der hat immer schlaue Sprüche gemacht und auch ein Buch geschrieben und mit so kleinen roten Heftchen rumgespielt. Der ist auch viel marschiert, naja also er selber nicht, aber seine Leute und alle haben gedacht, das macht der nur für den Frieden. Aber clever war der schon. Der hat zwanzig Millionen Schlitzaugen verhungern lassen, einfach so.“

„Na gut Kimi, du kannst hier mitmachen. Sag mal Kimi, du bist doch schon ein bisschen weiter – technologisch gesehen. Hast du denn deine Kracher schon mal ausprobiert.“

„Lalalalalala … Sie fliegen, sie fliegen, sie fliegen …“

„Das wissen wir auch. Und machen die auch einen richtig schönen Krach?“

„Lalalalalala … Sie fliegen, sie fliegen, sie fliegen … Und dann BUMMM.“

„Wow … Irre.“

„Du Adi?

„Was meinst du, was der Obama zu dem BUMMM sagt?“

„Nichts, der ist doch sauer. Der mischt sich nicht mehr ein. Wir können jetzt ganz in Ruhe spielen. Und ich schlage hiermit offiziell vor, dass wir einen ganz großen Spielplatz mit vielen vielen bunten Krachern eröffnen, die ganz weit fliegen, und wir laden alle ein, die auch solche Dinger haben. Ich kenn da einen …“

„Ich glaub fast du hast recht. Der Obama mischt sich nicht mehr ein. Wir können die Dinger endlich fliegen lassen. Aber mir geht noch was durch den Kopf?“

„Was den Adi?“

„Wenn der sich nicht mehr einmischt. Also nur mal angenommen und ganz theoretisch. Was machen dann die anderen. Der Weltsicherheitsrat zum Beispiel?“

„Bissu blöd? Die spielen doch nur Siebzehn und Vier. Eine Resolution. Dann die zweite Resolution. Dann die dritte Resolution. Dann die vierte Resolution. Und wenn die die Siebzehn voll haben, kommen noch mal Vier. Und dann geht’s wieder von vorne los.“

„Scheiße.“

„Adi, du sollst nicht solche Worte sagen.“

„Ja großer Bruder ich weiß, aber es ist trotzdem Scheiße. Mir ist was eingefallen.“

„Was ist Scheiße?“

„Warum gab es 33 noch keinen Weltsicherheitsrat zum spielen? Das wär´ doch oberlustig gewesen.“

„Das ist doch egal. Hauptsache ist doch, die Jungen können jetzt bald mal die Böller ausprobieren und wir dürfen als Zuschauer dabei sein. Ist doch auch schön. Ich meine, so in unserem Alter. Lassen wir einfach mal die Jungen ran …“

Sechs Stimmen im  Off gleichzeitig: „Jaaaaaaaaaaa.“
 
Dann hört man wie jemand anfängt zu singen „Völker höret die Signale, auf zum letzten Gefecht …“ Immer mehr Stimmen singen mit, und der Gesang wird lauter.

„Hei, Ruhe da oben und was ist mit uns. Wir sind doch nur ganz einfache Menschen. Wir wollen endlich aus dem Bunker raus. Wer hilft denn jetzt uns?“

„Schnauze da unten. Ihr seid selber schuld. Was lernt ihr denn heutzutage in der Schule? Denkt Ihr denn gar nicht an die vielen unschuldigen Frauen und Kinder, die wir beschützen wollen.“
__________________

Aktuelle Meldung im März 2014: Der Uno-Sicherheitsrat hat das Regime in Pjöngjang für seine Raketenstarts kritisiert. Nordkorea antwortet mit einer neuen Drohung: Das Land schließt einen weiteren Atomtest nicht aus. Sollte die Lage eskalieren, seien allein die USA verantwortlich, heißt es vom Außenministerium.


2006: Seoul (dpa)- Nordkorea hat als Reaktion auf ein alljährliches südkoreanisch-amerikanisches Manöver im Süden der koreanischen Halbinsel mit einem militärischen Erstschlag gedroht."

Der Text kann kostenlos hier als pdf heruntergeladen werden
http://de.scribd.com/doc/215742261/BUMMM-GESPRAECHE-IM-DUNKELN
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Super ... Demnächst in einem Post und ich gebe Bescheid :)
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