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Matthias Reich
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Seit es Eisenbahnen in Japan gibt, versuchen sich die Eisenbahngesellschaften an der Erziehung ihrer Fahrgäste. Das ganze geschieht mal mehr, mal weniger provokant, und nach Meinung der meisten Tokyo-Besucher ziemlich erfolgreich, denn trotz der Menschenmengen sind die Leute vergleichsweise diszipliniert. Natürlich gibt es trotzdem Sachen, die den Leuten auf den Zeiger gehen – das ist kein Wunder bei den vollen Zügen. Darüber gibt es sogar richtige Ranglisten

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Seit ein paar Wochen schon hört man in Japan überall den Namen ピコ太郎 Piko Tarō (PIKOTARO) und sein eigenwilliges Liedchen, das so kompliziert ist, dass man es nunmehr einfach nur mit PPAP abkürzt. Das steht für Pen Pineapple Apple Pen, beziehungsweise um es korrekt auf Japlish bzw. Engrish zu sagen, ペンパイナッポーアッポーペン (Penpainappoappopen). Und damit ist eigentlich schon der ganze Text verraten. Mit diesem gerade mal 1:09 langen Stück, wohlgemerkt sein Erstlingswerk, hat es der Komiker beim heutigen Stand nicht nur auf 57 Millionen Abrufe seines Youtube-Videos gebracht – sondern heute auch in die Top 100 der amerikanischen Billboard-Charts. Als Neueinsteiger landete er auf Platz 77, und ist damit der erste Japaner seit 26 Jahren, der es in die amerikanischen Top 100 geschafft hat. Sowie der 7. Japaner überhaupt. Nicht schlecht für einen 54-jährigen Entertainer, den bis dato kaum einer kannte.

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Gestern, am 12. Oktober, kam es in weiten Teilen des Zentrums von Tokyo zu einem großflächigen Stromausfall. Ausgelöst wurde das ganze sehr wahrscheinlich durch einen Kabelbrand zwischen zwei Umspannwerken in der benachbarten Präfektur Saitama¹. Ein Stromausfall in diesem Ausmass und das Zentrum von Tokyo betreffend gab es zum letzten Mal 1987, als rund 2,8 Millionen Haushalte stundenlang ohne Strom auskommen mussten. Dieses Mal waren es „nur“ 580’000 Haushalte, aber es erwischte auch das Regierungsviertel Kasumigaseki sowie Verkehrsknotenpunkte wie Shinjuku. Nach anderthalb Stunden hatten jedoch alle wieder Strom.

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Was macht man an einem (mal wieder) hoffnungslos verregnetem, freien Tag? Genau, man geht mit seinen Kindern zur örtlichen Müllanlage. Auf Wunsch der Kinder wohlgemerkt, denn als die Schulklasse dort zur Exkursion war, war Töchterchen lustig befleckt krank zu Hause.

Das örtliche ゴミ処理センター Müllzentrum besteht aus einer Mülltrennungsanlage nebst Müllverbrennungsanlage… und einem angeschlossenen, grösseren Schwimmbad mit dem eher italienisch anmutenden Namen Yonetti. Dieses seltsame Wort stammt vom japanischen Wort 余熱 yonetsu Restwärme ab und erklärt damit gleich, was mit der Abwärme der Müllverbrennungsanlage geschieht. Eine vernünftige Idee.

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Mit Grausen verfolge ich seit Jahren das jämmerliche Gezerre um den neuen Berliner Grossflughafen BER. Die geballte Inkompetenz und die grandios unterschätzten Baukosten eignen sich wunderbar zum, wie heisst es doch in letzter Zeit so schön, „Fremdschämen“. Aber zum Glück ist Berlin nicht ganz allein, schafft man doch so etwas auch in Hamburg… und wie es aussieht, auch in Tokyo. Zwar hat man dort vor ein paar Jahren in rekordverdächtig kurzer Zeit den Tokyo Sky Tree mitten ins Stadtzentrum gepflanzt, doch ein anderes Grossprojekt nimmt ähnlich groteske Züge an wie der BERühmte Möchtegernflughafen: Es handelt sich um den neuen Standort für den berühmten Tokyoter Fischmarkt 築地Tsukiji. Das jetzige Gelände ist seit 1935 in Betrieb, nicht ausbaufähig mangels Raum und ziemlich in die Jahre gekommen. So kam man auf die Idee, die Markthallen zu verlegen – und zwar nach 豊洲 Toyosu, einer Neulandinsel im Distrikt Koto und keine zwei Kilometer Luftlinie vom jetzigen Standpunkt entfernt.

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Auch ein schöner Name für 'ne Boutique!
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Neulich bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der anhand von Karten darstellt, wo in Japan welche Begriffe für ein und die gleiche Sache benutzt werden. Die Idee ist nicht neu – in Deutschland gibt es ja zum Beispiel auch einen schönen Atlas der deutschen Sprache, der sich ausführlich und anschaulich mit dem Thema beschäftigt. Und für einen sprachinteressierten Geographen ist so etwas natürlich faszinierend.
Zwar leben in Japan fast nur Japaner, aber natürlich haben sich auch in Japan Dialekte herausgebildet. Wenn man Japanern erklärt, das es so etwas auch in Deutschland gibt, reagieren die meisten mit grösstem Erstaunen – allerdings nur aufgrund von purer Unwissenheit. Natürlich gibt es in Deutschland auch Dialekte. Selbst in den USA, obwohl das Englische dort vielerorts erst vor gut 300 Jahren wirklich Fuss fasste, gibt es ja schliesslich Dialekte. Und je abgeschiedener die Gegend, desto höher die Varianten.

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Normalerweise erlebt man im Raum Tokyo ein bis zwei Mal, manchmal auch überhaupt nicht, einen Taifun. Freunde dieser beeindruckenden Naturphänomene kommen allerdings dieses Jahr vermehrt auf ihre Kosten, und die Fakten sind besorgniserregend. So beginnt die Hauptsaison für Taifune eigentlich im September, doch dieses Jahr geht es schon seit Anfang August hoch her. Normalerweise liegt die Kinderstube der Taifune sehr weit südlich, in der Nähe der Marianen, doch dieses Jahr hat sich das Entstehungsgebiet sehr stark nach Norden verschoben und lag bei einigen Taifunen (10 sind es insgesamt bisher) sogar in japanischem Hoheitsgebiet, ein paar hundert Kilometer südlich von Honshu und Shikoku.

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Heute nachmittag habe ich an einer grossen Kreuzung in Shibuya einen triftigen Grund gesehen, endlich mal die Fahrerlaubnis zu machen: An der Ampel warteten vier Go-karts, mit als Mario und Konsorten kostümierten Fahrern, die offensichtlich sehr viel Spass an der Sache hatten. Deutsch, wie ich bin, war ich natürlich erstmal perplex, dass man mit den Dingern ganz normal im Strassenverkehr mitmischen darf, denn die Vehikel liegen so tief, dass schnell mal ein Bus- oder LKW-Fahrer die Dinger übersieht, und das Ergebnis dürfte klar sein. Erstmal dachte ich auch an den Batman-Fahrer in Chiba, aber ein genauer Blick auf die Karren machte deutlich, dass sich jedermann die Dinger ausleihen kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat einen japanischen oder einen in Japan anerkannten Führerschein.

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In den frühen Morgenstunden des 11. August kam es unweit der Senkaku-Inseln zu einem Zusammenstoss zwischen einem chinesischen Fischkutter und einem griechischen Frachter: Das Fischerboot sank, und der Frachter rief die japanische Küstenwache zur Hilfe: Die fischte soweit 6 von insgesamt 14 Besatzungsmitgliedern lebend aus dem Wasser, woraufhin die Regierung in Peking ein paar Stunden später ihre Dankbarkeit ausdrückte¹.
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