Warum war unser #mooccamp13  am Freitag und Samstag in Frankfurt eigentlich so überraschend gelungen, frage ich mich immer noch. (Es gibt dazu auch inhaltlich noch eine ganz Menge aufzubereiten, in den nächsten Tagen - unten ist der Link zu den Live-Protokollen zu den einzelnen Sessions vom Samstag. )

[Was sind MOOCs? Meine Erklärung, hoffentlich auch für Anfänger, hier: http://pb21.de/2013/11/mooc-bildungsrevolution/]

Überraschend für mich war diese Bottom-up-Aufbruchsstimmung, zu einem Zeitpunkt, da auch bei den Guten international gerade das "Tal der Desillusionierung" erreicht ist. Und obwohl die MOOC-Welle ja zugleich sehr stark ein Top-down-Phänomen ist: Da verkünden Bertelsmann Stiftung und Bill Gates Foundation, dass die Höhere Bildung grundsätzlich kaputt ist [stimmt ja leider, aber anders als sie meinen] und schlagen "Privatisierung" und "algorithmische Personalisierung trotz Massifizierung" als Lösung vor.

Warum also diese positive Energie? Wo kommt die her? Mein starker Eindruck, den ich nur schnell festhalten wollte: Es ist bei vielen ganz ähnlich wie bei mir selbst. Es hat nämlich zwei Gründe:

(1) Die Bildungsdynamik der Uni(s) ist heillos festgefahren, ich würde ja sagen: seit Jahrzehnten. Wie jemand sagte (und kaum eine/r widersprach): Die MOOCs zeigen direkt wie indirekt u.a. auch, was an den Unis in der Lehre tatsächlich passiert, und das führt eben auch dazu, dass man sich fassungslos fragt: Was, DAS ist die Höhere Bildung, die uns alle retten soll? Dieses läppische lehrbuchgetriebene Zeugs? Das war vorher so nie sichtbar. Mit dem Netz gibt es aber die untergründige Zumutung der Transparenz: Eigentlich erwartet man, in jedem Studiengang sehen zu können, was da real so gemacht wird, jeden Tag.

Das sind die verharzten Zustände, die schlicht nicht reformierbar sind. Das liegt nicht nur an den bösen Uni-Leitungen, das liegt auch und vor allem an den Leuten in den Fakultäten und Departments, die in einem selbstbezüglichen, abgeschotteten System gefangen sind.

Und jetzt, durch die Technologie, gibt es auf einmal ein Ventil: Man kann, wie Buckminster Fuller einst sagte, eine Struktur daneben stellen. Oder wie +Philipp Schmidt sagt: Früher musste man eine Schule gründen, wenn man etwas anders machen wollte, also ein großes Gebäude mit vielen Leuten und Verwaltung. Heute genügt es, eine Webseite zu machen, wie z.B. Schmidts experimentelle  #P2PU  (Peer2Peer University.) 

Auf dem Moocforum, dem ersten konventionellen Tag, spürte man nun, wie stark dieses Bedürfnis nach Veränderung ist, und zwar bei Leuten aus recht verschiedenen Richtungen und Kulturen. 

(2) Und das führt eben zum #Web : Was hier als Druckventil wirkt, ist das Versprechen des #Web , von dem ich zu sagen pflege, dass es eh schon die neue, die eigentliche Universität ist. Invisible College.

Ein MOOC ist ja nichts anderes als eine Webseite. Ein Stück mehr oder weniger offenes Web. (Deswegen muss man dafür auch Webdesign können bzw. lernen, zusätzlich zu und oft auch statt herkömmlicher Didaktik.)

Und eine Handvoll MOOCs sind dann so etwas Ähnliches wie eine Universität: Deshalb kann das deutsche Startup iVersity, eigentlich nur ein paar Leute in Berlin, die eine eigene Plattform schnell zusammengeschraubt haben, in der Öffentlichkeit als Widerpart der FU Hagen auftreten, die unbegreiflicher Weise immer noch keine Strategie für das digitale Zeitalter hat. 

Die innovative Energie, die der MOOC-Fellowship-Wettbewerb des Stifterverbands der deutschen Wissenschaft mit lächerlichen 250 000 Euro freigesetzt hat (auf dem #mooccamp vertreten vom grundehrlichen Hoffnungsträger +Oliver Janoschka , Leiter des Programmbereichs "Forschung, Transfer und. Wissenschaftsdialog"), diese Energie also ist zum einen die Energie des Web.

Aber hier wie auch woanders (in der Politik, in den Berliner Startups) speist sich die Energie des Web aus der Starre der alten Strukturen. Ich bin 52, und es fühlt sich so an wie der Aufbruch, den  meine Silver Surfer-Generation eigentlich vor 20 Jahren schon hätte initiieren sollen.

(Und was passierte da gerade damals, als ich meine Dissertation einreichte? Richtig, die Entstehung des World Wide Web. Erfunden von Wissenschaftlern, zuerst allgemein zugänglich gemacht über Uni-Netze und in den ersten Jahren auch wesentlich gespeist von der Graswurzel-Energie von Uni-Leuten, die zwischen den Betonplatten nicht wussten, wohin mit ihrer Energie.)

[Über die anderen Erkenntnisse des Mooccamp muss ich noch nachdenken.]
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