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+Lukas Hugl sagt, dass diese diskussion der "Strategie der EZB" (EU-Zentralbank) wichtig ist wg. versteckten agenden (und er ist ein filter, dem ich vertraue, aller verschwörungstheorien unverdächtig):

"Um es kurz zu sagen: Anstatt das die EZB ihre Aufgabe zur Gewährleistung funktionierenden Geldes erfüllt, betätigt sie sich als Herrscher Europas um mit einer Art Schock-Strategie, vielleicht auch nackte Erpressung, politische Entscheidungen zur Zusammenführung Europas herbeizuführen. Dabei nimmt sie offensichtlich in Kauf, dass das längerfristige Wachstumspotential und der Wohlstand Europas deutlichen Schaden nehmen.

So sehr ich mehr Europa und die angemessene Einbringung deutscher Interessen befürworte: Das ist ein Staatsstreich, oder sogar die Eroberung Europas mit Mitteln der Finanzwelt."
Lukas Hugl originally shared:
 
Diese Erklärung des Verlaufs der Euro-Krise ist schlüssig, dringende Leseempfehlung:

"While the ECB is arguably the most powerful central bank in the world, it cannot directly compel democratically elected European leaders to comply with its wishes. So far, the ECB has been reasonably effective in its strategic bargaining with Eurozone governments, despite these constraints."

"The central bank’s strategy is aimed at getting recalcitrant Eurozone policymakers to do things they otherwise would not do. It is a "political strategy," not dictated by IS-LM models predicated to return the economy quickly to full employment equilibrium. Despite the best attempts of markets and financial commentators, the ECB is not acting by its estimate of the next couple of quarters’ nominal GDP growth.

The ECB is thinking about the design of the political institutions that will govern the Eurozone for decades. It is thinking strategically. Thus, it is best to ignore any advice given to the ECB on short-term economic forecasts, or even how other central banks would have conducted themselves in this crisis."

"On the contrary, what better way to remind the French about the need for more Eurozone rules, discipline and automatic sanctions than to do nothing in the face of a market sell-off and let French sovereign bonds begin to resemble those of Italy and Spain? Ultimately, the French desire for their bonds to track German bonds will force it to yield to Eurozone fiscal rules—to become more German."

Um es kurz zu sagen: Anstatt das die EZB ihre Aufgabe zur Gewährleistung funktionierenden Geldes erfüllt, betätigt sie sich als Herrscher Europas um mit einer Art Schock-Strategie, vielleicht auch nackte Erpressung, politische Entscheidungen zur Zusammenführung Europas herbeizuführen. Dabei nimmt sie offensichtlich in Kauf, dass das längerfristige Wachstumspotential und der Wohlstand Europas deutlichen Schaden nehmen.

So sehr ich mehr Europa und die angemessene Einbringung deutscher Interessen befürworte: Das ist ein Staatsstreich, oder sogar die Eroberung Europas mit Mitteln der Finanzwelt. Historisch sind die Versuche Deutschlands, Europa mit aggressiven Mitteln zu erobern, immer sehr böse ausgegangen während sich friedliche Einigung als hoch erfolgreich erwiesen hat. Warum machen die das?
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Lukas Hugl's profile photoThorsten Roggendorf's profile photo
10 comments
 
Danke fürs Teilen. Auf der Basis dieser Theorie könnte man das alles einmal rational diskutieren. Die Ökonomie alleine hilft da nicht weiter, jedenfalls wenn man nicht annehmen will, dass bei der EZB nur Idioten sitzen. Den Autor Kirkegaard halte ich für der Verschwörungtheorie unverdächtig.
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Danke! Das wäre eine Antwort auf die Frage die ich hier neulich gestellt habe, von wegen letztendlich muss die EZB die Anleihen kaufen, wenn sonst nichts passiert - wer steckt dahinter. Allerdings ist die Antwort "Die EZB" steckt dahinter doch wieder sehr unbefriedigend. Denn die EZB hat ja erst mal keine Agenda (außer Geldwertstabilität). Somit stellt sich die Frage, wer benutzt die EZB als Instrument zur Durchsetzung seiner Interessen. Dass hier offenbar Deutsche Ideale durchgesetzt werden sollen legt nahe, dass wir es sind, wir Deutschen, uns Angela, die dahinter stecken. Und +Lukas Hugl postuliert genau das in einem Nebensatz: "So sehr ich mehr Europa und die angemessene Einbringung deutscher Interessen befürworte".

Also nehmen wir mal an, das ist so, die EZB kapert Europa, Deutschland steckt dahinter. Wie sind hier die Wirkmechanismen, wer nutzt welche Hebel um das durch zu drücken? Die Frage könnte sehr wichtig sein, denn das ganze riecht danach als könnte es hinreichend undemokratisch sein um einen öffentlichen Aufschrei auszulösen. Ich glaube zwar nicht daran, dass hier vorm endgültigen Crash nochmal so etwas wie Demokratie einzieht, aber das scheint schon ein starkes Stück zu sein.
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Die Macht der Notenbanken wird meiner Einschätzung nach von vielen Beobachtern (insbesondere Zusammenbruchspropheten) schwer unterschätzt. Zwar kann die Notenbank die Entwicklung der Realwirtschaft nur mittelbar beeinflussen, aber das Funktionieren des Finanzsystems kann eine Notenbank in einem Fiat-Money-System immer sicherstellen. Hierbei ist es unter anderem wichtig, dass der Interbanken(geld-)markt funktioniert und sich die Liquidität im System über diesen Markt möglichst ideal alloziert. Wenn der Interbankenmarkt nicht funktioniert, sind die Banken zur Bewerkstelligung der Zahlungsströme der Wirtschaft auf die Notenbank als "Lender of last Resort" angewiesen. Die einen parken dann Geld bei der Notenbank, die anderen leihen sich von da. In der Euro-Zone ist dieser Geldmarkt seit 2008 in zunehmenden Maße dysfunktional. Zuerst haben die Banken aufgehört sich ohne Sicherheiten zu leihen und zuletzt fand eine sehr starke Differenzierung der Zinsen auf dem Interbankenmarkt statt, je nachdem welche Sicherheiten eine Bank bieten konnte. Sicherheiten für solche Geschäfte sind üblicherweise Staatsanleihen. Dies führt derzeit dazu, dass es in der Euro-Zone keinen einheitlichen Zinssatz gibt. Die Finanzierungsbedingungen für z.B. italienische Unternehmen sind sehr viel schlechter als z.B. für deutsche. Derzeit zahlen Banken auf dem Interbankenmarkt noch drauf, wenn sich jemand von ihnen Liquidität gegen deutsche Bundesanleihen leiht, während Anleihen der "Krisenstaaten" kaum mehr als Sicherheiten akzeptiert werden. Das führt derzeit dazu, dass es in der Euro-Zone einen erheblichen Mangel an geeigneten Sicherheiten gibt. Dass unter diesen Bedingungen "Krisenstaaten" eine sehr viel schlechtere wirtschaftliche Entwicklung haben, die wiederrum das Verhältnis Staatsschulden zu BIP verschlechtert, muss einen nicht wundern.
Die EZB sagt ja bekanntlich, dass das Programm zum Aufkaufen von Staatsanleihen (SMP) nicht der Staatsfinanzierung, sondern dem Funktionieren der Geldpolitik dient. Das ist grundsätzlich richtig, denn solche Offenmarktoperationen dienen der Durchsetzung des EZB Zinses auf dem Geldmarkt. Nur: DIe EZB tut bei weitem nicht genug um dieses Funktionieren der Geldpolitik sicherzustellen. Sie nimmt billigend in Kauf, dass ihre Geldpolitik derzeit in halb Europa nicht funktioniert.
Dem könnte man zwar entgegenhalten, dass die Sicherstellung dieses Funktionierens ein Bailout oder Transfer wäre, aber diesen Transfer gibt es letztlich sowieso über das TARGET2-System ( http://ftalphaville.ft.com/blog/2011/11/14/745851/some-euro-banknotes-are-more-equal-than-others/ ).
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Wow, vielen Dank +Lukas Hugl! Die Information, dass italienische Unternehmen schlechtere Finanzierungsbedingungen haben als deutsche ist mir völlig neu.
Ich fasse mal kurz zusammen: Die aktuelle Situation treibt die Zinsen für deutsche Staatsanleihen immer weiter nach unten und schafft (weitere) Wettbewerbsvorteile für deutsche Unternehmen.
Ergo: Wenn Merkel irgendetwas zur vorzeitigen Bewältigung der Krise täte, gehörte sie sofort gefeuert. Habe ich das richtig verstanden?
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Jein, denn diese deutschen Unternehmen brauchen Kunden, die sie bezahlen können. Sonst handelt es sich nur um eine Investitionsblase.
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Solange uns das jetzige System erhalten bleibt heißt das aber, das wir in Europa die absolute wirtschaftliche Macht übernehmen. Selbst wenn entwertet würde. Oder?
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Was ist in diesem Zusammenhang wirtschaftliche Macht?
Die aktuelle gute Deutsche Position steht und fällt jedenfalls damit, dass die südeuopäischen Schuldner ihre Schulden bezahlen. Tun sie das nicht mehr, verschwindet deutsches Vermögen. Und wenn sie nicht mehr deutsche Produkte kaufen, dann haben die Deutschen überinvestiert und werden die Verluste machen.
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Die deutsche Wirtschaft wächst, andere schrumpfen und deutsche Unternehmen kaufen Sachwerte im europäischen Ausland. Osteuropa ist bereits zu erheblichen Teilen in den Händen der deutshen Wirtschaft, wie es im Süden ist, weiß ich nicht. Deutsche Unternehmen haben doch nicht mehr Kredite in den Süden vergeben als Französische, oder? Im Gegenteil dachte ich. Wenn die Blase platzt, bleiben die Sachwerte. Ich spekuliere hier, ist das Quatsch, was ich daherfabuliere?
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Nicht ganz. Aber der Wert von Sachwerten ergibt sich auch nur aus den Erträgen, die sich damit erzielen lassen. Diese sind wiederum von der Nachfrage abhängig. Es gibt keine Möglichkeit Vermögen so zu sichern, dass einem das Drumherum egal sein könnte.
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