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Putzfrau-Analogie ist ein Griff ins Klo!
Große Aufregung um naiven Vergleich einer Putzfrau mit einem Künstler!

Das UrheberRecht ist dafür da, aus KulturArbeitern KulturKapitalisten zu machen. Die PutzFrau dagegen kann nur ihre ArbeitsKraft verkaufen. ... & das ist jetzt ein guter Grund, warum für PutzFrauen- und Künstler-Arbeit unterschiedliche MaßStäbe gelten sollten? Das erklärt, warum Arbeit von Künstlern oft anders behandelt wird, aber nicht, warum sie anders behandelt werden sollte.

Der PutzFrau wird kein vergleichbares Recht zugestanden. Betrete ich jemandes geputzte Wohnung, muss ich ihr keine Gebühren zahlen. Bloßes Arbeiten schafft keinen Anspruch auf Bezahlung. Es braucht dazu z.B. einen ArbeitsVertrag. Genug Arbeit geschieht unbezahlt.

Die PutzFrau kann auch nicht verfügen, dass in der Wohnung, die sie putzt, ohne ihre Erlaubnis niemand anderes putzen darf; ebenso wenig, dass erst 70 Jahre nach ihrem Tod die von ihr verursachte Sauberkeit von jedermann beansprucht werden darf. Was die PutzFrau "will", ist hierbei unerheblich; inwieweit sie bezahlt wird, wird vertraglich definiert, nicht von ihrem Willen. Warum braucht die PutzFrau einen Vertrag, um Anspruch auf Bezahlung zu haben, der Künstler aber nicht?

Zumindest im Bereich Software scheinen mir Patente gerade eher Innovations-hemmend als -fördernd zu sein. Es gibt halt verschiedene Formen des Kopierens, & Copyright begünstigt die des NachErzählens unter Mantel vermeintlicher Neuheit. ... Wie wäre es z.B. mit dem Recht, einfach Texte nach Belieben über DruckerPresse zu vervielfältigen & neu herauszugeben?

Die ExklusivRechte über dein Werk wirken im IdealFall (!) wie eine ausdauernde WertProduktionsMaschine; ohne weitere Arbeit von dir. Warum kreative Arbeit nicht gegen Vor- statt NachKasse? Mittels CrowdFunding sogar demokratisch. [Wer bezahlt?] Derjenige (oder via Crowdfunding diejenigen), dem dein Schreibstil so viel wert ist. Angebot, Nachfrage, Markt. Was fehlt?

Kapital wäre dann höchstens noch sein Talent, nicht sein Portfiolio aus bisher erzeugten Werken/sein WerkEigentum. ... & es wäre nach FertigStellung für jeden frei benutzbar, verbreitbar, kommentierbar, veränderbar. Unterm Strich: KulturGewinn!
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Christoph Kappes's profile photoMartin Lindner's profile photoFritz Iversen's profile photoJohann von Schadowitz's profile photo
8 comments
 
Die Putzfrau ist im Vergleich mit jedem Künstler insofern deutlich privilegiert, als sie sofort bezahlt wird. Der vergleichsweise "Rechtlose" ist der Künstler, der zwar arbeitet, aber dadurch keinerlei Anspruch erhält, dass ihm das irgend jemand bezahlt. Er muss das Ergebnis im NACHHINEIN trachten zu verkaufen. Dabei gibt es je nach Reproduzierbarkeit unterschiedliche gesellschaftliche Modi: Das Ölbild verkauft der Künstler einmalig (siehe Gerhard Richter, der keinen Cent sieht, wenn sein Bild weiterverkauft für das zehnfache, dass er erhalten), die Graphik kann schon billiger sein, das Buch schließlich kann zum Preis von zwei Pizzen verkauft werden - es sinbd also viele, die für die Arbeitskosten des Künstlers aufkommen.
Dafür dass Schriftsteller das Risiko des Totalverlusts auf sich nehmen (Arbeit gemacht, keiner will es lesen), haben Sie anderseits eine Chance auf hohe Gewinne (die sich allerdings nur in den seltensten Fällen erfüllt). Ich würde vermuten, dass 99% aller Schriftsteller sofort das Geschäftsmodell der Putzfrau wählen würden (Sofort-Bezahlung, Tag für Tag, nach zu vereinbarendem Stundenlohn). Musiker sind ebenso glücklich, wenn sie eine Festanstellung ergattern können (plus "musikalische Gelegenheitsgeschäfte"/Mugge nebenher). Der Plomlompom wirft mal wieder Thesen in die Luft (was mir durchaus gefällt). Es fehlt aber die gedankliche Umkehrprüfung.

Fakt ist, dass die Einnahmen der Putzfrau wirtschaftlich geschützter sind als die der Urheber, die nämlich zunächst gar nicht geschützt sind, sondern nichts weiter sind als eine hundertprozentige Risiko-Position, eine vollkommen leere Forderung gegen niemanden.

Zur Erinnerung, wie sich Manuskripte gelegentlich nur noch verwerten lassen:

"Die armen Künstler Rodolfo, ein Dichter, und Marcello, ein Maler, sitzen am Weihnachtsabend in ihrer Pariser Mansarde frierend vor dem kalten Ofen. Sie haben weder Brennholz noch etwas zu essen. Um den Ofen wenigstens für kurze Zeit zu entzünden, opfert Rodolfo eines seiner Manuskripte. Es ist schnell verbrannt und der Ofen wird wieder kalt."
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Die allermeisten Schriftsteller, die ich kenne (&ich kenne viele), haben einen Stundenlohn, der deutlich unter der Putzfrau liegt, die sie sich im Traum nicht leisten könnten. Die Analogie ist völlig schief, aber das kann man ja bei +Fritz Iversen lesen. Zum Selbstbetrug der Künstler gehört übrigens in der Praxis, dass sie glauben, sie täten mehr als nur unterbezahlt (oder gar nicht bezahlt) arbeiten, nämlich Werte schaffen. Da diese Werte in 80% der Fälle nicht nachgefragt werden, ist das eine bloße Fiktion. (Vorabfinanzierung via Crowdfunding würde das allerdings heilenderweise entlarven.)
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ja, aber das würde ja für eine gesellschaft sprechen, die die große kunstfiktion abschafft, oder nicht? ich meine: erfolgreiche lyriker leben jetzt schon (so weit sie sehr partiell überhaupt vom geschriebenen leben) erstens von stipendien und zweitens von lesungen, d.h. performances.
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Tweet von Plolompon/Christian Heller: "Ich fragte, warum PutzFrauen & Künstler verschieden behandelt werden."
Dem wäre entgegenzuhalten, dass keine Putzfrau wie ein Künstler bezahlt werden möchte. Nicht einmal die, die die Wanne von Beuys sauber gemacht haben soll ;)
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Entschuldigung, aber die Frage, warum die beiden verschieden behandelt werden, ist dämlich.
Putzfrauen und Künstler werden gleich behandelt, wenn der Künstler live auftritt, dh nach Aufwand.
Erst wenn das Werk des Künstlers vervielfältigt werden kann, wird er anders behandelt.
Bei der Putzfrau geht das auch, aber Bilder und Töne von Geputztem möchte keiner haben.
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ja schon, aber genau deshalb kann man sich ja (wie +Michael Seemann ) auf den standpunkt stellen, dass nichts daran auszusetzen ist, wenn alle typen gesellschaftlicher arbeit gleich behandelt werden. dass also der sonderstatus von "werken" ein bourgeoises zwischenspiel und - im wortsinn- ein privileg war.

(in der deutschen publizistik: ab ca. 1820/40 bis heute, aber da war es ja eben an das gerade wieder einmal neu definierte buchmedium gebunden.) aber seit wann werden alle nachgedruckten stellen überhaupt verwaltunsgmäßig kontrolliert und nicht-zahlungen verfolgt? gabs das schon in den 1880er oder 1920er jahren? Brechts ungefragte und unbezahlte verwendung der Three Pennies Opera-übersetzung hat ihn jedenfalls auch hinterher kein vermögen gekostet.

zwei weitere beispiele: maler produzierten zwar werke, aber verkauften sie eben genau einmal. man müsste nachsehen, ob bzw. ab wann sie lizenzgebühren für reproduktionen bekommen haben. (ich vermute mal: erst mit dem beginn der massenreproduktionen, also etwa Hanfstaengl in München, Ende des 19. jahrhunderts oder so.) auch hier also: eine medientechnische ursache.

und letztens: der "rock'n'roll". also erst einmal all die folk- und ryhtm'n'blues-sänger, die aufgenommen wurden, als es gerade technisch möglich war (studio in den 1920ern, field recordings ab den 1930ern). die haben natürlich nie irgendwas für irgendwelche "werke" gesehen. noch Led Zeppelin hat den folk-gitarristen Bert Jansch nie für ein tatsächlich übernommenes gitarren-arrangement bezahlt, und ganz offensichtlich konnte er das auch nicht juristisch durchsetzen.

geld haben die Blueser und Folker zu verdienen begonnen: (1) mit den großen europa-torneeen in den 1960ern, (2) mit einzelnen benefiz-platten zusammen mit bekannten weißen (etwa Howlin Wolf und John Lee Hooker um 1969, aber da sind vermutlich nicht viel tantiemen geflossen). und dann eben erst wieder (3) in der Goldenen Zeit der Schallplattenindustrie, also ab den späten 1970er Jahren, ebenfalls mit diversen Crossover-platten. auch das natürlich nur die berühmtesten 10 oder so. die anderen tourten durch deutsche clubs.

und wenn wir jetzt die ingenieure seit 1850 oder so anschauen: ich bin sicher, dass es nicht viel anders aussieht. gegenbeispiel wäre der schwedische vater einer bekannten, der einer der erfinder des tetrapaks ist und sich damit eine villa am genfer see und ein ordentliches schwarzgeldvermögen erworben hat. mein großvater, lebensmittelchemiker, hatte irgendwelche patente für Pfanni Kartoffelknödel, und ich versichere, dass dieses werk/patent zu keinerlei reichtum geführt hat.

die meisten schriftsteller haben entweder erst posthum richtig geld verdient (also ihre witwen und nachfahren) oder aber als bestseller-autoren abgesahnt. dafür braucht man aber nur einen temporären schutz: die allermeisten verkaufen sachen verkaufen sich längstens innerhalb von 3-5 jahren. auch das sind verbrauchsartikel.

wenn man also die ganze "werk"-geschichte (und patent-geschichte) ersatzlos streicht: gibt es wirklich ein problem? und wenn man auf der gegenseite berechnet, was der ganze heckmeck kostet und schadet: ist die gesellschaftliche rechnung positiv oder negativ?
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1. Aus dem Urheberrecht geht ja nicht hervor, in welcher Weise ein Urheber seine Arbeit verwerten möchte. Dass er das aushandeln darf, kann man ihm so wenig verwehren wie den Gewerkschaften das Aushandeln von Tarifen.
2. Dass die Nutzungsverfahren und die damit entstandenen Nutzungsrechte eine Historie haben, sagt erst einmal gar nichts, außer dass bislang stets mit neuen Nutzungsformen auch neue Rechte entstanden sind.
3. Auch im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit gibt es z.B. zahlreiche Autorengruppen, die ihre Texte komplett einmal-für-immer verkaufen (meine Wenigkeit zum Beispiel und viele Journalisten). Das setzt voraus, dass es jemanden gibt, der den TexterstellerInnen ihre Texte in dieser Form abkaufen will.
4. Prozentuale Geschäfte sind das Gewöhnlichste der Welt. Z.B. bekommt jeder Händler Prozente pro Exemplar einer Ware. Tantiemen sind damit alles andere als ein esoterischer Sonderfall und ökonomisch betrachtet eine Form der Flexibilisierung von Kosten. Das"pay-per-use"-Prinzip erfreut sich gerade in Internet und Cloud-Computing großer Beliebtheit. Die Flexibilisierung der Kosten ist sinnvollfür die producer und Distributeure, weil sie damit einen Teil ihrer Geschäftsrisiken reduzieren und so eigentlich erst in die Lage versetzt werden, vernünftig zu kalkulieren. Bei den TexterstellerInnen führt das Prinzip zu einer Flexibilisierung der Einnahmen.
5. Wenn man ausgerechnet bei den Künstlern nun von der Flexibilisierung der Einnahmen auf eine Festbezahlung umstellen will, führt das zu einem Rattenschwanz an Problemen, z.B.: Wer zahlt das? Wie ist die Festbezahlung zubemessen? Wie werden Aufwand und Qualität ins Verhältnis gesetzt? Dass die in diesem Zusammenhang auch schon mal in die Diskussion gebrachte „Kulturflatrate“das unfairste Modell für Nutzer und Urheber wäre, dürfte nach kurzer Überlegung jedem klar sein, dürfte aber sowieso nichts weiter als eine absurde Gedankenspielerei sein.

Nur nebenbei: Maler haben früher als Schriftsteller von Reproduktionstechniken profitiert und dabei auch viel Forschungsaufwand investiert. Dürer ist da z.B. zu nennen. Oder auch Rembrandt. Dazu kann ich mich mal selbst zitieren: „Vor der Zeit Rembrandts wurden Radierungen oft als preiswerte Alternative zum Kupferstich angesehen, mit denen sich schnell, aber nicht sehr präzise arbeiten ließ. Rembrandt entdeckte in dem Verfahren weit mehr – sowohl was die technischen und künstlerischen Möglichkeiten, als auch was die Marktchancen für kleine, ausdrucksstarke Blätter betraf…“

Um das klar zu stellen: Ich halte den Kulturwarenmarkt überhaupt nicht für in Ordnung. Er ist in Teilen ähnlich aus dem Ruder gelaufen wie die Finanzmärkte, das heißt es gibt eine Art Selbst-Maximierung des Geldes jenseits der ursprünglichen kulturellen Daseinszwecke. Ändern ließe sich das eventuell, wenn man die Urheber mit primär inhaltlichen Intentionen stärkt und ihre Rechte schützt, auch gegenüber Übervorteilung und Erpressung, egal von welcher Seite die gerade aufkommt.
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