+Torsten Kleinz schreibt:  »Wer sich nicht die Arbeit mit dem Jugendschutzsiegel machen wird: Der Inhaber dieses Blogs. Ich wäre schön blöd, wenn ich mich auf eine Alterstufe festlege und mir dann ein Leserkommentar durchrutscht, der dem nicht entspricht. Ich kann ohne Leser unter 12, 14 oder 18 leben.«

Und das ist genau der Punkt, der der FAZ entgeht: In der traditionellen Medienproduktion - Film, Rundfunk, Fernsehen, Zeitungen - sind die Produktionskosten so hoch, daß Inhalte nur kommerziell verwertbar angeboten werden und der Anbieter damit gezwungen ist, sich unter ein Bewertungsregime zu unterwerfen, um seine Produktionskosten wieder herein zu bekommen. Also überhaupt sich mit dem JMStV auseinander zu setzen und sich um eine möglichst niedrige Einstufung zu kümmern, damit seine Zielgruppengröße maximiert ist.

Aber für ein Blog und andere Internetmedien ist das schlicht mehr wahr. Damit fehlt die Motivation, seine Inhalte möglichst niedrig einzustufen, oder gar überhaupt einzustufen, denn keine Einstufung entspricht "ab 18".

Die traditionellen Jugendschützer wollen das kompensieren, indem sie für "ab 18" einen Haufen sinnlosen Overhead erzeugen - einen Jugendschutzbeauftragten benennen, Zugang nur nach Registrierung mit dem nPA und anderen Unsinn. Alles, was sie damit erreichen, ist Blogs und andere "nebenbei erzeugte" Inhalte in deutscher Sprache abzumurksen.

Dieser Aspekt ist der Grund für den Widerstand "der Internetlobby" gegen den JMStV, jedenfalls des Teils "der Internetlobby", der nicht Google-Facebook-Twitter, also internationale Konzerne ist, sondern deutsche Grassroots-Blogger. Solange dieser Aspekt nicht fundamental von einer JMStV-Reform adressiert wird, kann es in der Sache keinen Fortschritt geben.

Die jetzige Stagnation ist im übrigen wesentlich älter als der Artikel der FAS anspricht. Wir sind in der Technologie (Markup und Filter), in der Argumentation und im Sachstand der Debatte immer noch in 1995.
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