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Liebe Medien,

neben einer völlig unsensiblen und unfähigen Polizei, die einen noch nicht verurteilten, nicht einmal geständigen und völlig unschuldigen 17jährigen der Meute regelrecht zum Fraß vorgeworfen hat, ward vor allem ihr es, die jegliche Vorgaben der Verdachtsberichterstattung einfach mal geflissentlich ignoriert habt, so die Möglichkeit zur Identifikation des Verdächtigen gegeben habt und damit für einen veritablen Lynchmob gesorgt habt, von dem ich mir niemals hätte vorstellen können, dass es sowas in Deutschland jemals geben könnte.

Bitte tut jetzt nicht so überrascht über das, was ihr da angerichtet habt, sondern hinterfragt euch gefälligst mal selbst und geht nicht einfach zur Tagesordnung über. Ja, ich weiß, ein naiver Wunsch.
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Klaus Lohse's profile photoGregor Nathanael Meyer's profile photoThomas Böcker's profile photoDennis John's profile photo
31 comments
 
Das ist mir jetzt zu billig mit "den Medien". Ja, es gibt die üblichen Verdächtigen, die den Verhafteten so vorgeführt haben.

Aber was soll denn eine seriöse Berichterstattung tun, wenn bei einem solchen Fall, der Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die Polizei spektakulär einen Verdächtigen verhaftet und sagt, man sei "sehr sicher", den Richtigen zu haben?

Ich behaupte jetzt mal, in den meisten seriösen Zeitungen wurde das so berichtet: die Verhaftung eines Verdächtigen, von dem die Polizei sagt, sie sei "sehr sicher", den Richtigen zu haben.
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+Andreas Streim Klar haben die Behörden da sehr großflächig Mist gebaut, angefangen bei der "sehr sicher"-Behauptung über Ergebnisse der Vernehmung ("verstrickt sich in Widersprüche") bis zu und vor allem natürlich der viel zu spektakulären Festnahme.
Das ändert aber nichts daran, dass die "klassischen" Medien den Fall dankbar aufgegriffen haben. Damit haben sie zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Vor allem aber haben sie sofort über die Hetze im Netz berichtet, darauf Aufmerksamkeit gelenkt und quasi einen Wegweiser für alle gegeben, die sich daran beteiligen wollten.
Übrigens haben sich nicht alle Medien gleich stark beteiligt: Auf tagesschau.de war die Berichterstattung zu dem Fall sehr zurückhaltend und abwartend. Jetzt springen sie auch auf den "Das böse Internet"-Zug auf (mit einem Videobeitrag der Tagesthemen, in dem die Wohngegend des Entlasteten auch nochmal zu sehen ist. Der kann jetzt umziehen, wenn er wieder ein normales Leben haben will).
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Die Hamburger Morgenspost wusste am Folgetag schon, dass der "Mörder" gefasst ist. Da hat nix mit dem Handeln der Behörden in Emden zu tun, sondern ist reiner Populismus.
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Sorry, +Jürgen Kühner das ist nicht ganz richtig. Die Behörden haben zumindest die Pflicht, auf Anfragen der Presse wahrheitsgemäß zu antworten.
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Die größte Heuchelei kommt dabei vom Springer-Verlag. Welt-Online verurteilt die Medien, die diese Hetzjagd quasi mit initiierten, mit die größte Hetze kam aber aus dem eigenen Haus, sprich BILD.
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Kennt ihr den oft gebrauchten Satz: "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich ihnen dazu keine Einzelheiten sagen."? Eigentlich sehr vernünftig, wurde hier massivst missachtet. Und die Presse stürzt sich auf alle Details, die sie bekommen kann.
Im Nachhinein dann die Schuld von sich zu weisen, weil man ja keine Namen genannt hat (außer vom kleinen Mädchen, "aber das war ja eh tot"), ist zynisch.
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"von dem ich mir niemals hätte vorstellen können" bedeutet ja nicht, es könnte hier nicht passieren, sondern des Autors Vorstellungsvermögen ist eingeschränkt....
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Mir ist es zu billig, jetzt allein die Presse zum Verantwortlichen zu machen, auch wenn die BLÖD Zeitung natürlich immer ein berechtigtes Ziel für Kritik ist, auch in diesem Fall.

Genau so viel Schuld gebe ich aber jedem einzelnen Bürger, der sich ekelerregende Stammtischparolen zu eigen macht und bei jedem schweren Verbrechen erst mal nach Todesstrafe, Lynchjustiz oder "Schwanz ab" schreit. Dazu kann ich nur sagen: Liebe Verächter des Rechtsstaats, wandert doch bitte in irgendein Land aus, wo man für's Klauen noch die Hand abgehackt bekommt, wenn es Euch hier nicht gefällt!
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Ich unterstütze auf jeden Fall den Vorschlag der totalen Nachrichtensperre bis zur Urteilsverkündung in Zusammenhang mit besonders schweren Straftaten... wer da vorher was an die Medien rauslässt, gehört selbst in den Knast...
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Habt ihr denn alle noch nicht begriffen, dass Facebook schuld war? Tststs.
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+André Braun aber gerade diese etwas schlichten Gemüter sind es aber, die sich von den Medien erst zu solchen Aktionen aufpeitschen lassen.
Das sind Nachdenkverweigerer, die du nicht mit Worten kaum ändern kannst. Die denken erst nach, wenn sie für solche Aktionen selbst die Konsequenzen tragen müssen.
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+vera bunse Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir sind hier bei G+, da trägt Facebook schon aus Prinzip immer eine Mitschuld. ;)
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+Farlion Lunkwitz Das stimmt natürlich, aber es widerstrebt mir, diesen Leuten jetzt einfach den "Segen" für ihr Verhalten zu geben und sich in der Kritik rein auf die Presse zu konzentrieren. Natürlich soll sie ihr Fett weg bekommen, aber eben nicht exklusiv.
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+Jorge Steffen Totale Nachrichtensperre bis zum Urteil? Ich bitte dich, wir haben 2012, das Internet existiert seit Jahren, wie willst du das denn praktisch umsetzen? Was meinst du, was passiert, wenn man das durchsetzen will?
Wir sind hier nicht in China oder Nordkorea. Unsere Gesellschaft muss bestimmte Dinge aushalten und lernen, mit einer freien, aber verantwortungsbewussten Berichterstattung umzugehen. Die Behörden müssen ebenfalls lernen, wann sie Informationen verteilen und welche Wirkung diese haben können.
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+André Braun Sie anzuprangern ist zwar richtig, allerdings wird es sie nicht stören, denn sie verstecken sich in der Masse. Und erstaunlicherweise zeigen - womit wir wieder beim Thema sind - die Medien keine Bilder mit Nahaufnahmen von den Möchtegern-Lynchmobbern.
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Ja so ist das leider. Genauso wie die BLÖD Zeitung sich nicht daran stört, wenn sie vom Presserat permanent gerügt wird.
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+Mitch Toß Ich gestehe, ich bin Freund von so manchen Utopien, aber von China lernen, hiesse in diesem Falle ja wirklich siegen lernen... ;) Und um die Behördenverantwortbarkeit ging es mir in dieser Sache ja auch primär.... ich bin ja entspannt ob der 17jährige letztlich irgendwelche Entschädigung erhält, nur ist mir auch klar, dass die verantwortlichen Beamten das dann auch nicht aus ihrem Portemonnaie bezahlen müssten ...
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+Jorge Steffen Nein. Wenn es solche Nachrichtensperren geben würde, würden sie garantiert auch missbraucht werden. Es hat schon sehr gute Gründe, warum Gerichtsverhandlungen in der Regel öffentlich sind und auch die Strafverfolgungsbehörden eben keine Geheimpolizei sind.
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Eine "totale Nachrichtensperre bis zum Urteil im Zusammenhang mit besonders schweren Straftaten" ist schon deshalb Unfug, weil die Berichterstattung zumindest von der Grundidee her dazu dienen soll, Öffentlichkeit herzustellen und sicherzustellen, dass insbesondere Richter, Strafverfolger und Ermittlungsbehörden ihre Macht nicht missbrauchen. Ich möchte gar nicht wissen, wie z. B. die Prozesse gegen die 2. RAF-Generation oder gegen Gegner von Brokdorf, Startbahn West und Pershing-Stationierung verlaufen wären, hätte es keine Berichte darüber gegeben. Oder gegen manche mutmaßlichen, aber schuldunfähigen Sexualstraftäter, deren Familien/Anwälte keine unbegrenzten Ressourcen zur Selbstverteidigung aufbringen können.

Und Kollegen, welche die Gerichts- und Polizeiberichterstattung nur deswegen übernommen haben, damit sie selbst einmal so hetzen können wie die bewunderten "Vorbilder" bei BILD, Express etc. gehören mindestens von dieser Aufgabe entbunden, wenn nicht entlassen.
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Hört sich sinnvoll an, aber wie soll man dann der Gelegenheitslynchmobbildung Einhalt gebieten? Zumal wenn sich dieser spontan online organisiert, nachdem er über unsere Öffentlichkeit schaffenden Qualitätsmedien angeheizt wurde?
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+Jorge Steffen Ich würde ja jetzt sagen, einfach mal exemplarisch 2-3 scharfe Warnschüsse auf Bauchhöhe in den Lynchmob jagen. Aber dann bekomme ich nur wieder Ärger mit diversen Menschenrechtsorganisationen. ;)
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Zum Beispiel, indem die zuständigen Redakteure ihren Job machen und Vorverurteilungen nicht ins Blatt rücken - wofür moralisch wie juristisch gute Gründe gibt. Bei vermeintlich allzu kritischer Berichterstattung über Anzeigenkunden funktioniert das ja auch. Nebenbei würde es in vielen Fällen die Qualität heben.
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Falls sich jetzt jemand fragt, ob die "klassischen" Medien etwas gelernt haben:
http://www.bildblog.de/37807/eine-hand-waescht-die-andere-in-unschuld-2/
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Bernard Südbeck, Oberstaatsanwalt:
"Wenn ich höre, dass nun schon wieder Fotos von den Gebäuden gemacht werden, wo Eltern des jetzt festgenommenen Tatverdächtigen wohnen, dass man die Familie des ursprünglich Tatverdächtigen angeht, dann sollten wir doch an diesem Punkt zur Vernunft kommen. Ich möchte wirklich darum bitten, dass man diese Personen nicht fotografisch abbildet, dass man sie nicht unbedingt befragt. Die Familie des Opfers, für die gilt das gleiche."
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Und natürlich geht es am "Stammtisch Internet" auch weiter - das wird aber erst große Beachtung finden, wenn die "klassischen" Medien dem eine größere Öffentlichkeit bieten. War bei den versehentlich öffentlichen Facebook-Partys nicht anders: Ohne Medieninteresse kein Rummel.
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