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Dazu hat es trotz Bettlägerigkeit gereicht, vergangene Woche gleich den Kindle Paperwhite vorzubestellen, nachdem Amazon seine Verfügbarkeit für Deutschland ankündigte. Ich hab mich ja lange bei E-Book-Readern zurückgehalten (und wenn, dann ein E-Book auf dem Pad gelesen), aber der Paperwhite hat mich dann doch veranlasst, einen eigenen Reader zu bestellen. Auf dem Pad sind Bücher einfach nicht so gut zu lesen, ganz abgesehen davon, dass es eigentlich zu schwer als Buch-Reader ist.

Jetzt aber kommen dann doch wieder die Bedenken hoch. Und die haben nicht damit zu tun, dass mir das "haptische Erlebnis" eines gedruckten Buches fehlte, was so viele immer wieder beschwören. Auch nicht, dass ich als etwas irrer Bücher-Anhäufer lieber was Handfestes im Regal als ein E-Book im Netz stehen habe. Das alles ließ mich zögern, aber an E-Books führt trotzdem kein Weg vorbei, die Form, die Bücher hier annehmen, ist möglicherweise noch nicht ausentwickelt, aber der Weg ist deutlich.

Was mir aber in den letzten Tagen so durch den Kopf schoss, hat er mit Langzeit-Archivierung zu tun. Bei uns lag aus einem Garagenverkauf ein Tier-Lexikon von 1960 rum, das trotz aller Unzeitgemäßheit (verglichen zu den multimedialen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zur Umsetzung solch eines Tier-Lexikons) sehr faszinierend war. Allein all die Begriffe, die die Autoren fanden, um die Laute zu beschreiben, die Tiere von sich geben - eine angesichts der Flut an Tierfilmen wohl untergehende Kunst. Ob das gut oder schlecht oder gar schlicht egal ist, ist für mich hier gar nicht das Problem: Das Buch gibt es ja, ich kann es nachlesen, wenn ich will, und meinen Sprachschatz an so etwas schulen. 

Aber wird man in der Zukunft ein 50 Jahre altes E-Book, das schon längst aus dem Katalog der Verlage verschwunden ist und dessen Inhalt möglicherweise nicht mehr auf dem Stand der Zeit ist, noch lesen können? Wie sieht es mit dem kollektiven und dem individuellen Buch-Archiv aus? Wer garantiert mir, dass in 50 Jahren (oder von mir aus auch in 10) die Amazon-Cloud noch die von mir gekauften Bücher vorhält? Und wenn nicht Amazon - wer sorgt dafür, dass das DRM nicht mein individuelles Buch-Archiv unzugänglich macht? Und wer entscheidet, welche Bücher es wert sind, in ein Langzeit-Archiv aufgenommen zu werden, wer legt die Kriterien fest?

Es ist nicht die Haptik, es sind nicht irgendwelche, sich sowieso ständig ändernden Lesegewohnheiten, es ist nicht der übliche Kulturpessimismus, der bei allen Veränderungen von Gewohntem immer den Untergang des Abendlandes heraufbeschwört, der mich bei E-Books bedenklich stimmt. Es ist die Sorge, dass das Netz nicht etwa ein zu genaues Gedächtnis hat, sondern dass es eigentlich viel zu viel vergisst. Und dass die kommerziellen Anbieter und DRM mit dafür sorgen, dass das so ist. Digitale Bibliotheken als öffentliches Projekt sind noch viel zu wenig vorangekommen, es scheint mir, dass das Problem der Langzeit-Archivierung von Büchern (nicht nur von Informationen, auch von ihrer Umsetzung in Wissen; nicht nur kollektiv, auch individuell) im öffentlichen Bewusstsein noch viel zu wenig präsent ist.
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Sebastian Wiesinger's profile photoLars vom Stein's profile photoChristoph Bier's profile photoMax Schlechtinger's profile photo
35 comments
 
Ach wenn ich das Geld hätte würde ich mir den auch kaufen. Der scheint richtig gut zu sein.
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Bei meinem Kindle 3 werden die eBooks ja lokal gespeichert, wenn der in ein paar Jahren allerdings den Geist aufgibt, stehe ich wohl genau vor diesem Problem. 
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Das ist genau der Grund, warum ich zögere. Ich lese bevorzugt alte Originale aus dem letzten Jahrhundert, die ich als gebrauchtes Taschenbuch im Netz kaufe. Noch jedes Mal, wenn ich nach einer eBook Version des Gesuchten gesucht habe, gab es keine (z.B. Ursula K. Le Guin)
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Gegenthese: Normales säurehaltiges Papier, also fast alles was so ab dem 19. Jahrhundert gedruckt wurde, ist lt. Wikipedia nur ca. 70-100 Jahre haltbar. Viele Bibliotheken haben das Problem, dass sie zwar ohne Probleme mittelalterliche Bibeln vorhalten können aber kaum die Erstausgaben von Büchern aus dem 20. Jahrhundert.
Digitale Daten hingegen sind faktisch unbegrenzt haltbar, und durch die einfache Duplizierung auch gut gegen Ausfälle der Trägermedien geschützt. Das einzige Problem ist (mal wieder) das DRM, aber Ziel muss es eher sein, dafür eine Lösung zu finden und nicht, bei Papier zu bleiben.
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Ohne DRM, könnte die Community dafür eine Lösung finden. Mit DRM, und er aktuellen Rechtslage (DMCA), ist das nicht nur unnötig schwierig sonder auch noch illegal.
+Jürgen Kuri Wird Zeit sich an die UnCD zu erinnern und einen ähnlichen Begriff für eBooks zu finden.
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Ohne DRM wäre es auf jeden Fall deutlich besser, aber ich glaube nicht, dass es einen unknackbaren Schutz gibt. Und sollte irgendwann einmal ein Moment kommen, wo wirklich niemand mehr da ist, der ein bestimmtes DRM-System betreut (was unwahrscheinlich scheint, weil damit Geld zu verdienen ist), dann wird es dafür Lösungen zum Umwandeln der Inhalte geben, sofern diese Inhalte nicht sowieso schon lange auch in reiner Form ohne DRM vorliegen. Amazons DRM kann man wohl heute schon recht leicht entfernen und neulich erst hat mir jemand erzählt, dass er das sofort mit jedem gekauften E-Book macht.

Ich mache das ehrlich gesagt nicht, denn wenn mir ein Buch verloren geht, dann ist das eben so. Das passiert mir mit gedruckten Büchern auch, die Ausbleichen, Zerfallen oder auf Nimmerwiedersehen ausgeliehen wurden ;) Oder vergessen werden oder verschenkt. Oder oder oder.

Die Gründe, warum ein Buch verloren geht, sind bei digitalen Büchern nur andere ;)
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Also ich bin ziemlich sicher, dass die Menschheit auch für dieses Problem eine Lösung finden wird. Genauso wie wir die Schriften der Antike heute noch genießen können, werden wir auch die als E-Book erschienenen Werke nicht verlieren, wenn sie es Wert sind, erhalten zu werden.
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Ich habe einen Sony Reader, hole mir die Bücher als ePub und versuche möglichst welche ohne DRM zu bekommen. Die mit DRM werden davon befreit.
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+Jan Tißler 
1) Das mit dem unknackbaren Schutz ist vor allem ein juristische Problem (DMCA), Büchereien, Archive etc. können darauf nicht zurückgreifen.

2) Ja mir gehen auch Bücher verloren, im Augenblick noch aber zumeist aus Gründen die in meiner Verantwortung liegen.
 
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+Marco Schönberger Wer hat denn entschieden, dass z.B. Goethe und Schiller erhalten bleiben? Darüber mache ich mir keine Sorgen.
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+Dorian Hunter Goehe und Schiller sind sicherlich wert erhalten zu bleiben. Deren Werke zähle ich aber auch eher zur Weltliteratur. Ich denke da an Bücher von eher unbekannten Autoren oder Werke die nur in geringen Auflagen erscheinen sind. Könnte mir vorstellen dass da das eine oder andere Buch dann auf der Strecke leibt.
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+Marco Schönberger Die Bücher, die Du erwähnst, bleiben ja jetzt auch auf der Strecke, jedenfalls viele davon. Das wird niemals anders sein, egal in welcher Form Bücher erscheinen. So ist es ja auch mit anderen Kunstformen oder mit guten Efindungen. Nur die Zeit wird zeigen, was bleibt...
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DRM ist eines meiner Haupt-Bedenken beim Kindle. Ich liebe das Ding, ich lese so viel mehr, seitdem ich es habe (so ein Buch alle 10 Tage, wo ich vorher monatelang verschiedene Bücher mit mir rumgetragen habe und nicht fertig gelesen habe). Aber wie sieht's damit in 10 Jahren aus, wenn ich irgendwas mal wieder lesen will, was ich mal auf meinem Ur-Kindle draufhatte, aber was inzwischen durch X Format-Änderungen und Plattform-Switch verlorengegangen ist? 

Ich will bei Büchern eigentlich nicht in der selben Situation landen wie bei Musik oder Filmen, wo man sich erst was auf Platte gekauft hat, dann auf CD, dann digital mit DRM, und dann irgendwann nochmal digital ohne DRM.

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass der Schutz des Kulturguts vor 50 Jahren noch höhere Priorität gegenüber kommerziellen Interessen hatte als heutzutage. 
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Das könnte ich mir auch vorstellen. Bloss nicht!!!!!!!!!!!!!
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Jaja, das stimmt schon. Hilft mir mit meinem abseitigen Lesegeschmack aber nur bedingt, wenn ich heute etwas kaufen will und es das Buch nicht auf legalem Wege digital zu kaufen gibt ;)
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+Simona H. Vielleicht ist Google Books dein Freund!? Die archivieren so ziemlich alles!
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Im Prinzip wäre das eine Aufgabe für ein neues Urheberrecht oder Copyright, änlich wie es Lawrence Lessig in "Freie Kultur" fordert: Wird das Copyright nicht mehr aktiv ausgeübt, d.h. das Buch vertrieben, muss es der Allgemeinheit zugeführt werden. D.h. Umkehrung der jetzigen Regel, so dass alle aktiven Copyrightansprüche zentral erfasst werden müssen. Das würde auch das Recherchieren erleichtern.
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Ohhhh, ich glaube, ich kann nicht mehr mitreden. Bisher habe ich mich dagegen gewehrt.
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Ich darf noch hinzufügen, dass es bisher auch strittig ist, wie ich ein ausgelesenes Buch verschenke, vererbe oder auf dem "Flohmarkt" verkaufe. eBooks, die nur unwesentlich günstiger sind als gedruckte Exemplare müssen genauso weitergebbar sein, wie das die Papierbücher bislang sind.
Bei einem eBook, welches nur 10 % des Papierbuches kostet, kann ich auch mit DRM leben. Da DRM und Kopierschutz bei gleichzeitig hohem Preis indiskutabel sind, habe ich meine Reader ausschließlich mit kostenlosen oder nicht geschützten Büchern bestückt.
In diese Richtung geht die Möglichkeit DRM-Werke auszuleihen. Die Gesetze und die Vertriebspolitik hinken der Technik hinterher.
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Am Ende habe und kaufe ich Bücher "in Papier" und habe einen Kindl von Amazon. Es gibt leider nicht den einzigen richtigen Weg. Beide Lösungen haben einen Reiz.
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Natürlich ist das insgesamt ein interessantes Thema. Vor allem unter Berücksichtigung der zukünftigen Entwicklung.
Eine Möglichkeit jedoch, das Sicherungsproblem zu umgehen ist die Verwendung von Zusatzsoftware, wie zum Beispiel Calibre.
Das mag der ein oder andere sicherlich nicht gerne hören, aber die Software ist eigentlich sehr gut geeignet die eigene eBook-Sammlung zu verwalten. Das kann das Programm auch bei DRM geschützten Büchern machen. Diese können dann nur nicht, wie nicht weiter verwunderlich, auf anderen Geräten angezeigt werden.
Aber wie +Sebastian Wiesinger schon schrieb ist es technisch auch für den Laien möglich den DRM zu umgehen. Auch wenn das meines Wissens nach gegen geltende Gesetze verstößt.
In diesem Sinne: +Jürgen Kuri viel Spaß mit dem Kindle Paperwhite. Ich persönlich, als Viel-Leser und Kindlenutzer, kann nur zu dem Schritt gratulieren.
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+Ralph Schäfer Der Begriff "Cloud Storage" ist nur im Kindle-Marketing neu. Auch Deine bei amazon für den Kindle 3 gekauften eBooks sind "in der Cloud": Du kannst sie jederzeit vom Gerät löschen und danach erneut von amazon herunterladen, z.B. auch auf ein neu gekauftes und ebenfalls Deinem Konto zugeordnetes Gerät.
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Amazon kindle sind wie Kleinwagen, die nur mit Sprit von BP fahren...
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Ich habe den Paperwhite auch vorbestellt und freue mich schon sehr darauf!
Habe momentan den "normalen" Touch und lese, seit ich ihn besitze, viel mehr! Es ist eine Wohltat für die Augen, dass ich die Schriftgröße anpassen, und endlich im liegen ohne Brille lesen kann! :-)
Mir bereitet der Kindle Lesevergnügen pur.
...selbiges wünsche ich dir auch!
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Grundsätzlich hoffe ich hier ja noch auf die EU. Das ganze DRM-Zeugs  gehört stark reguliert und es muss sichergestellt werden, dass ich auch in Zukunft meine Bücher lesen kann. Vielleicht wird das Übertragen auf ein Lesegerät ohne die Unterstützung durch die Amazon-"Cloud" etwas umständlicher sein, aber der derzeitige Zustand ist eigentlich ungeheuerlich.

Ebenso finde ich es nicht OK, dass ich bei Amazon gekaufte eBooks nur auf dem Kindle lesen kann, dafür epubs mit DRM nicht. Hier müsste wirklich mal der Verbraucherschutz ran.
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Wie +Christian Beushausen schon schrieb: Calibre. Lösung für alles: Bibliothek wird lokal gesichert und in ein Format konvertiert, das man auch auf anderen Geräten lesen kann. Geht auch mit Kindle-Content. DRM war einmal. Nebenbei kann man seine Bücher vernünftig kategorisieren, die Meta-Daten berichtigen (oder erst zufügen) usw. Wer E-Books hat und Clibre nicht benutzt dem ist nicht zu helfen ;)
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Und nach der Befreiung vom lästigen DRM und der Konvertierung in epub kann man dann alles auf dem Kobo Glo lesen, der unbegrenzt Bücher auf wechselbarem SD-Ram erlaubt. Kindle war gestern.

Das gilt besonders nach der unbegründeten Löschung von Useraccounts durch Amazon inkl. des Verlusts aller gekauften Bücher.

Meine Bücher gehören mir!
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+F.X. Niedermeyer Nur dass du bei Kindle keine Bücher kaufst, sondern nur ein Nutzungsrecht erwirbst. Das ist schon der Fehler. ;)
Aber ansonsten hast du Recht: Sobald ich ein Ebook erwerbe lade ich das runter. Das ist meins. Mir ist da ziemlich egal was die AGB sagen...
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...kann man die (geleasten) Bücher eigentlich vom Kindle auf die Private Cloud sichern?
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Kann man. Man wandelt mit Calibre das Ebook in epub um und kann es dann überall lesen. DRM muss ggf. entfernt werden
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