Vivreaberlin.com – Februar 2014 - Eine Theatertournee per Fahrrad im Gedenken an den 100. Jahrestag des 1. Weltkrieges

"Das Stück Manèges (Kreise) übermittelt eine Friedensbotschaft, indem es sich auf fantasievolle Art mit den Themen Krieg und Frieden beschäftigt."Clément Labail, Autor des Stückes, ist überzeugter Europäer. Zusammen mit Christina Gumz, seiner Partnerin im Leben wie auf der Bühne, haben sie sich entschieden, auf ihre eigene Art, dem 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges zu gedenken. Ihr Ziel? Eine Theatertournee per Fahrrad von Berlin nach Paris.

In einer französischen Crêperie in Kreuzberg erzählt Clément Labail, wie dieses verrückte Vorhaben entstanden ist. "Christina hatte die Idee zu 




dieser Fahrradtournee. Sie, eine Deutsche, ich, Franzose, spielen das Stück in beiden Sprachen, die Strecke führt durch historische Stätten, die vom Krieg besonders gezeichtnet wurden" erklärt der Autor und Schauspieler. Das Programm: 2 Monate auf Tour in und durch 30 Städte(n), alles per Fahrrad - Accessoires, Bühnenbildelemente und Kostüme inklusive.

Manèges (Kreise) handelt von einem Schaustellerpaar, die verschiedene Träume haben. 
Während er sich mit seiner Situation und ruhigem Leben zufrieden gibt, möchte sie etwas Neues, Veränderung und Reisen. Dieses Paar erinnert anfangs etwas an Martine und Sganarelle aus Molière’s “Der Arzt wider Willen”, fügt Clément hinzu. "Sie zanken sich - auf fröhliche Weise. Es sind zwei Figuren voller Fantasie ,die dafür kämpfen, ihre Träume umzusetzen."

Der Ursprung des Stücks geht bis ins Jahr 2002 zurück. "Christina hatte die Idee von zwei Utopisten, die die Welt verändern möchten." Schließlich ist es Clément, der diese Idee auf dem Papier ausbaut. Damals hieß das auf Französisch geschriebene Stück “Scène de Manèges” und wurde eine zeitlang in Paris gespielt, als das deutsch-französische Paar in der französischen Hauptstadt wohnte.



Acht Jahre später: Clément und Christina nehmen sich der Figuren wieder an und schöpfen neue Kraft. "Es ist eine Zeit der Renaissance für uns. Wir haben neue Empfindungen für die Figuren. Wir sind sehr motiviert, das Stück wiederzuspielen! Der französische Verlag A verse wird das Stück veröffentlichen: nun unter dem Titel Manèges und mit kleinen Veränderungen im Text, vor allem aber auch in deutscher Übersetzung, um einem neuen Publikum - auf der anderen Seite des Rheins - zu begegnen. Zusammen mit den Schauspielern hat Carole Massana vom Café de la Gare in Paris (wo u.a. Coluche und Gérard Depardieu debütierten) die Regie übernommen. 

Zusätzlich zu den Vorführungen, werden die beiden Schauspieler während ihrer Reise künstlerische Workshops gestalten, in denen Kinder und Jugendliche mit Theatermitteln an die jeweilige Fremdsprache herangeführt werden. Eine Gelegenheit, die Sprache des Nachbarn durch das Theater besser kennenzulernen. "Wir möchten den Zuschauern durch das künstlerische und soziokulturelle Projekt Träume schenken, zeigen, dass auf europäischer Ebene noch viele Initiativen möglich sind", unterstreicht Clément. 

Eigentlich sollten die Aufführungen für die beiden Schauspieler im Mai 2014 in Berlin beginnen. "Wir haben die Tournee aber auf das nächste Jahr verschieben müssen, da wir nicht genügend Unterstützer hatten", erklärt Clément. Das veranschlagte Budget für das Projekt beläuft sich auf 15 000 bis 20 000 €. "Wir sind nach wie vor dabei, Sponsoren, Unterstützer, Mäzene zu suchen, um die ganze Logistik finanzieren zu können. Wir müssen Probenräume mieten, die Proben - Schauspieler und Regisseurin- bezahlen, sowie Lichtdesign, Technik, Öffentlichkeitsarbeit etc. - und natürlich auch die Fahrräder."

Clément Labail und Christina Gumz sind die Initiatoren der 2005 in Paris gegründeten Theatergruppe Au fil des nuages, deren Besonderheit darin liegt, dass sie ihre Stücke sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch auf die Bühne bringt. "Als Schauspieler empfindet man sehr viel Vergnügen, in einer fremden Sprache zu spielen. Es gibt eine physische Komponente bei der Erarbeitung des Textes. Das Konzept unseres deutsch-französischen Theaters ist eine Art zu zeigen, dass man in einer fremden Sprache Gefühle empfinden kann. Für jedes Stück bleibt die Inszenierung gleich. Man könnte sagen, die Partitur bleibt dieselbe, nur das Instrument ändert sich", vergleicht Clément fröhlich.

Astrid RIBOIS VERLINDE

http://vivreaberlin.com/une-tournee-theatrale-a-velo-pour-commemorer-le-centenaire-de-la-premiere-guerre-mondiale.html
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