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Axel Krommer
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Der Wii-Effekt

oder: Warum man Essays in der Schule nicht maschinell auswerten sollte

Jeder, der einmal mit der Wii-Spielekonsole Tennis gespielt hat, weiß es: Zu Beginn versucht man noch, mit der Fernbedienung in der Hand die „echten“ Tennis-Bewegungen nachzuahmen, doch rasch wird klar, dass manchmal nur ein kleiner Dreh mit dem Handgelenk nötig ist, um die Wii-glauben zu machen, man habe einen herrlichen Slice gespielt.

Kurz: Man lernt sehr schnell, dass nicht die „echten“ Tennisbewegungen, sondern die am Algorithmus orientierten „Wii-Bewegungen“ zum Erfolg führen. Und nach einiger Zeit haben die Bewegungen eines erfolgreichen Wii-Tennisspielers nur noch wenig mit den Bewegungen eines „echten“ Tennisspielers gemeinsam.

Meine These:

Ein ähnlicher Effekt wird sich in der Schule einstellen, wenn Schüler(innen) ein automatisch-algorithmisiertes Feedback zu komplexen schriftlichen Texten (z.B. zu einer Zusammenfassung) bekommen: Ihr Schreibverhalten wird sich nicht mehr an „echten“ Zusammenfassungen orientieren, sondern (ggf. unbewusst) an den Algorithmus anpassen.

Die Texte, die dann entstehen und vom Algorithmus die volle Punktzahl erhalten, werden dann nur noch wenig mit den Texten gemeinsam haben, die wir vormals als gute Zusammenfassungen bezeichnet hätten.

Man könnte das den „Wii-Effekt“ im Bereich des Schreibens nennen.

Notwendige Neologismen (XXI):

Palliative Didaktik

Zusammenfassende Bezeichnung für didaktische Maßnahmen, die nicht das Ziel verfolgen, das Schulsystem im Zeichen der Digitalisierung grundlegend zu verändern (bzw. zu „heilen“), sondern lediglich dazu beitragen, dass die Schüler(innen) im traditionellen (bzw. als „krank“ empfundenen) System bestmöglich angepasst sind.

vgl. #FlippedClassroom

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These:

Die coolen YouTube-Lehrer tragen maßgeblich dazu bei, dass das alte Schulsystem am Leben erhalten wird. Schlechter Frontalunterricht wird nun in Form von #FlippedClassroom-Videos konsumiert und wie man am besten durch das System kommt („Lernen ist ganz, ganz viel anpassen und Fleiß!) zeigen Videos wie dieses hier:

https://youtu.be/oquGtpjoK2E

Das ist das Gegenteil der Bildungsrevolution, die mit solchen Formaten häufig verbunden wird.

Philippe Wampfler beschreibt hier

https://schulesocialmedia.com/2017/04/20/finstagram/

das Phänomen der Fake-Instagram-Profile, die sich Jugendliche anlegen, um zu vermeiden, dass Kontexte (z.B. Peers vs. Erwachsene) kollidieren bzw. - senu Boyd - kollabieren.

Wampfler selbst spricht sich z.B. hier

https://schulesocialmedia.com/2016/02/18/whatsapp-an-schulen-pflicht-ueber-digitale-lernmittel/

dafür aus, WhatsApp an Schulen zu nutzen. Vor dem Finstagram-Hintergrund ergibt sich nun ein einfaches Argument, das dafür spricht, WhatsApp NICHT in der Schule zu nutzen.

Denn wenn Schülerinnen und Schüler tatsächlich den Wunsch haben, Kontexte zu trennen, dann ist es zwar recht leicht, ein Fake-Instagram-Profil aufzusetzen, jedoch vergleichsweise aufwändig, einen Fake-WhatsApp-Account einzurichten, da die Nutzung des Dienstes an eine aktive SIM-Karte gekoppelt ist. Schüler(innen) müssten - wenn ich es richtig sehe - zwei SIM-Karten nutzen, um per WhatsApp Kontexte wirklich sauber zu trennen, d.h. nicht im selben Account z.B. mit Lehrern und den engsten Freunden zu kommunizieren.

Kurz: Je schwieriger es mit einem bestimmten Dienst ist, den Kontext-Kollaps zu vermeiden, desto weniger ist er für den Einsatz in der Schule geeignet.

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